..oder: Fluch und Segen der sozialen Netzwerke – führen Sie den Nutzer in Wahrheit in die Einsamkeit?

Obwohl dieser Blogbeitrag nun auch schon 9 Monate alt ist, wird das Thema Blogs vs. Sozialen Netzwerke und Co. nie uninteressant. Deshalb reiche ich diesen Beitrag in die Blogparade von „Birgit Gatter“ als meinen Gedankenblitz ein.

Susi B. aus Hamburg hat 4585 “Freunde”. Natürlich wohnen die nicht alle in Ihrer Straße – die meisten nicht mal im gleichen Ort. Das wäre ja auch ein bisschen zu viel, die Morgens alle einzeln zu begrüßen, wenn Susi zur Schule in die 8. Klasse fährt. Stelle Dir mal vor, Susi würde für jede einzelne Begrüßung mit einem kurzen „Hallo“ 3 Sekunden benötigen – Sie bräuchte fast 4 Stunden dafür und würde jeden Morgen zu spät zum Unterricht erscheinen.

Aber die sind alle als Freunde in Ihrem Facebook Account.  Und die sind “totaaaal wichtig” in Ihrem Leben sagt Sie. Deshalb postet Susi an der Bushaltestelle auch an alle Freunde: “Hallo Leutz, Fettes Knutscher an alle. Bin wieda auf dem Weg in die Kackschule” – und freut sich, wenn Sekunden später das Handydisplay aufleuchtet, und Frederik aus München ihr ein “LOL” zurückantwortet.

Man könnte meinen 4585 Freunde wären genug – doch bei jeder neuen Freundschaftsanfrage klickt Susi auf hinzufügen – und ist von da an immer bestens informiert darüber, wenn Bea aus Idar-Oberstein neues von Ihrem Favoriten aus “DSDS” Band postet oder Peinlichkeiten ihrer Schwester – die Sie hasserfüllt „Bitch“ nennt – in die ganze Welt hinausposaunt.




Susi wird Bea niemals persönlich kennen lernen. Von Ihrem Taschengeld kann Sie sich grade mal ein bisschen Make-up und die Prepaid Karte für das Smartphone kaufen, dass Ihr die Eltern nach langen, zerrüttenden Heularien endlich gekauft haben. Das Geld für eine Zug-Fahrkarte um die “total coole” Freundin, die schon mal Sex mit ein paar Jungs gleichzeitig hatte mal zu besuchen und mal persönlich kennen zu lernen, sitzt längst nicht mehr vom Taschengeld dran.

souldemonHätten die Eltern im Vorfeld gewusst, dass Susi von dem Zeitpunkt an, mehr Zeit damit verbringt auf das riesige Handy-Display, anstatt ins Deutschbuch zu schielen, und Susi wie ein hirntoter Zombie völlig abgelenkt den morgendlichen Gesprächen am Frühstückstisch nicht mehr folgt, weil Sie im Sekundentakt den Mitschülern aus der Klasse mal eben ein “goil”, “LOL” postet oder denen auf deren Statement: “das Wetter ist voll Asi”, ein Like spendiert – Sie hätten es sich zweimal überlegt, der Tochter das neueste Smartphone zu kaufen.

Fragt man Susi, was Rolf (der so ungefähr auf Nummer 1563 in der Freundesliste rangiert) für Interessen hat, weiß Susi das momentan nicht. Aber der macht was “total cooles” – da ist Sie sich sicher. Susi weiß aber auch bei 99% Ihres Netzwerkes nicht, was die für Interessen haben. Geburtstag? Nachname? Wohnort? Alter? Das ruft bei Susi nur Kopfschütteln hervor. Und bei jeder Frage wird Sie zickiger. Sie hat offenbar Probleme damit eine Kommunikation die Nachdenken erfordert mit einem realen Menschen zu führen.

Doch verlassen wir Susi an dieser Stelle – sollen sich Ihre Eltern mit Ihr rumärgern und der Göre schon mal vorsorglich einen Platz in der nächsten „die strengsten Eltern der Welt“ – Staffel reservieren.

Das stelle ich leider selber fest – kaum ein Mensch ist heute noch in der Lage mehrere Minuten konzentriert zuzuhören. Auch die Benutzung sozialer und höflicher Floskeln nimmt immer mehr ab – die werden ja im Internet nicht benötigt. Ein „guten Morgen“ gibt es im realen Leben kaum noch. Die Begrüßung im Chat ist dann ja auch eher: „bist Du online?“. Merke ich leider im realen Leben selber. Von den Eltern wohlerzogen grüße ich Morgens meine Mitmenschen, wenn Sie auf dem Bürgersteig entgegen kommen. Ich ernte dafür von jungen Menschen angstvolle Blicke – fast als würde ich versuchen Ihnen glühende Zigarren auf den Handrücken auszudrücken. Doch wem Empathie und soziale Umgangsformen abgehen, der wird es schwer haben im realen Leben Freunde zu finden.

Susi ist natürlich fiktiv. Auf deinem heimischen Fernseher würde jetzt auf dem Bildschirm die Meldung erscheinen, dass Namen und Personen nicht real sind und keine Ähnlichkeit mit lebenden Personen haben und die Handlung frei erfunden ist. Gut – aus Gründen der Political Correctness lassen wir dies dann mal so stehen. Sitze ich Morgens in der U-Bahn sehe ich Dutzende Susis, Beas, Rolfs und Frederiks, die mit mehr oder weniger geneigtem Kopf auf Ihre Handy-Displays starren. Alle haben eines gemeinsam – Sie bekommen kaum etwas von dem mit, was in Ihrem Umfeld passiert.

Doch sind die sozialen Netzwerke wirklich zur Informationsbeschaffung so wichtig? Seien wir mal ehrlich: Egal ob Twitter, g+, Facebook, WhatsApp – alle diese Dienste transportieren größtenteils Schwachsinn von der einen Seite des Internets zur anderen. Leider verrottet dieser Müll nicht nach ein paar Tagen – deshalb kommt es vor, dass man dieses mit dem Hinweis “so cute” versehene Katzenbild in einer Woche 3 mal gepostet bekommt. Überhaupt erschließt sich mir immer weniger der Sinn von den sogenannten “sozialen Netzwerken”, oder Mülltransportierungsdiensten wie Twitter und WhatsApp. Videos von singendem Schlümpfen, fliegende Dixi-Klos oder fragwürdige Sexbildchen – das ist nun wirklich nicht mein Niveau, und mein lächeln darüber ist mehr als gequält…

Die andere Seite der Content-Medaille sind die Mitglieder die gar nichts tun – also weder selber posten, noch mal ein Lebenszeichen gleich welcher Art von sich geben. Nachdem ich festgestellt hatte, dass die Kontakte, welche in von mir genutzten sozialen Netzwerken  hauptsächlich Karteileichen waren, und Leute dort das ganze Jahr über keine Anstalten machten mal etwas zu posten, bzw. auf von mir veröffentlichte Posts keine Reaktion kam, habe ich sowohl die Konten der meisten sozialen Netzwerke aufgelöst und bei den noch aktiven meine Netzwerkkontakte stark entschlackt.

Mit dem erscheinen der sozialen Netzwerke hat sich auch für die Blogger viel geändert. Waren früher einige Kommentare bei Beiträgen die Regel, kippte das Kommentarverhalten nun in die Bedeutungslosigkeit. Obwohl meine Besucherzahlen ständig steigen, scheinen die Kommentare immer weniger zu werden. Früher galt unter Bloggern als Lösung, die Flucht nach vorne: hinein in die sozialen Netzwerkle und dort aktiv sein – auf dass die dort sensibilisierten Netzwerk-Freunde von dort auf den Blog gehen um einen Kommentar zu hinterlassen.  Doch leider ist das völliger Quatsch, denn wenn ich mir meine Piwik-Statistik anschaue, dann hat noch nicht ein einziges neues Mitglied aus meinen G+ Kreisen  jemals auf meinem Blog kommentiert.  Schaut man auf die Blogs der Profi-Blogger dann sieht es dort nicht besser aus.  Alle 2-3 Beiträge mal 2-3 Kommentare. das ist für kommerzielle Seiten die mindestens ein zehnfaches an Besuchern von NERD-O-MANIA haben, eigentlich der Gegenbeweis für die Aussage, dass die Aktivität in sozialen Netzwerke einen guten Blog retten würde.

Ein schönes Beispiel dafür, dass man sich die Aktivität in sozialen Netzwerken getrost sparen kann, und sich dafür lieber mit realen Menschen trifft, hatte ich letztens, als ich eine Rezension zum neuen WooCommerce schrieb und diesen Beitrag in verschiedenen Communitys postete. Trauriges Ergebnis:

  • 45 direkte Zugriffe über die Google + Plattform (gut)
  • 1 Google + Eintrag (was dem Like bei Facebook entspricht) (schlecht)
  • 0 neue Community-Mitglieder bei NERD-O-MANIA (ganz schlecht)
  • 0 Wertungen auf meinem Blog, obwohl ich ein Review Tool habe, welches sogar ohne Benutzerregistrierung zu bedienen ist (ganz, ganz schlecht)
  • aber dafür gleich eine Support-Anfrage von einem professionellen Dienstleister, der bei einem Kunden ein Problem mit dem neuen WooCommerce hatte – und zum Dank, dass ich ihm dafür die Lösung gab weder ein „+“ noch einen Kommentar auf meinem Blog hinterliess (zum kotzen)

Na Danke! Dies ist nicht das erste Mal, sondern diesmal ein in Zahlen zementiertes Beispiel, dass alle Blogger, die sagen, dass es Sinn macht in sozialen Netzwerken aktiv zu sein, deren Aussage ad absurdum führt.

Das einzig zählbare und sinnvolle: Mein Autor Ranking bei G+ steigt zwar, wenn ich fleißig “+”Zeichen sammle – doch dies bringt meinen Blog nicht zum leben – und das ist schließlich der Grund, warum ich dort im Netzwerk aktiv bin.

Schlaue Experten haben natürlich immer Erklärungen dafür parat, warum Besucher nichts posten. Beliebtes Argument ist der Hinweis darauf, dass man sich bei mir erst ein Konto anlegen muss. Das ist natürlich Quatsch. Aber solche Ausreden a la: „kann der Neger nicht schwimmen, ist das Wasser schuld“ gibt es ja immer. In jedem sozialen Netzwerk muss man sich ein Konto erstellen. Wäre das der Hinderungsgrund, wäre Facebook immer noch menschenleer.

Hat man sich ein Konto erstellt und das aktiviert, hat jeder Browser die Funktion sowohl Anmeldenamen als auch Passwort zu speichern, sodass das posten auf dem Blog nur einen Mausklick für die Anmeldung benötigt. Was sagt uns das? Die Leute sind eben einfach nur stinkefaul – oder zu blöd in die 2 Zeilen Namen und Passwort zu schreiben. Beide Eigenschaften empfinde ich bei Mitgliedern meines Netzwerkes als absolutes Nogo – die dürfen dann auch gerne draußen bleiben.

Klar, die Superschlauberger, die diesen Rat geben und sowohl auf Registrierung, wie auch auf Kontrolle des Beitrags durch den Admin verzichten, haben jede Menge Kommentare – hauptsächlich Verbraucherinformationen von netten Gästen aus China und Russland, die die anderen Beitragsschreiber freundlicherweise und völlig selbstlos über „Cheap Viagra“ informieren.




Überhaupt hat man das Gefühl, dass alle (selbsternannten) Profis Wein predigen und Wasser saufen verteilen – denn alle wissen: die Vergabe von „+“- Zeichen ist wichtig für das Ranking eines Authors oder Blogs! Warum werden dann von denen, die es doch wissen sollten, wie wichtig dies ist, keine „Plusse“ verteilt? Warum wird von den Blogger-Profis nicht kurz kommentiert, wenn ein Beitrag nützlich war oder zum denken angeregt hat? Warum wird ein vorhandenes Review-Tool, welches nicht mal eine Registrierung erfordert, sondern von jedem auf der Seite genutzt werden kann nicht benutzt? Es ist nur die Arbeit von einem Mausklick. Ist das Ignoranz, Faulheit, Dummheit oder Neid?

Ein weiteres ärgerliches Phänomen und für mich der eindeutige Beweis für Egoismus und dem nichtverstehen, bzw. fehlen von sozialer Kompetenz  ist mir bei der deutschsprachigen Windows 8 Community aufgefallen, die ich bei google+ betreibe  (update: jetzt muss man sagen betrieben habe, denn wie gesagt, wurde Sie von mir aufgelöst).

So wie ich eine Community definiere und verstehe, sind in einer Community Menschen, die die gleichen Interessen haben und sich dort austauschen. Doch von Austausch kann keine Rede sein. Beitrittsanfragen die von mir zugelassen werden, führen erst mal immer erst zu Fragen zu eigenen Problemen – und ist das Problem gelöst, ist das Mitglied von da an quasi klinisch tot, was die weitere Aktivität angeht – man schert sich einen Dreck um die anderen Mitglieder und Pflege der Community. Darauf zu warten dass auch nur ein Mitglied von sich aus mal etwas postet, was er im Internet erfahren hat und für die anderen Mitglieder der Community interessant sein könnte – da regnet es eher aufwärts. Deshalb werde ich die Community dort auch auflösen.  Menschen mit der Einstellung: „die Arbeit ist am einfachsten, wenn Sie ein anderer für einen macht“ und sich kostenlosen Windows Support erschleichen, dürfen gerne wieder die Microsoft Hotline für 1,99 € die Minute anrufen .

Jetzt wirst Du als Blogger sagen: „Ja, genau – aber ich bin ja anders!“ – und ich frage: „wirklich?“ Na da schauen wir doch mal. Der Mensch ist ein Jäger und Sammler – egal ob seriöser Blogger oder Social Network Junkie. Ganz ähnlich wie die Kiddies tausende von Facebook Freunden haben, haben manche Blogger tausende von RSS-Feeds in Ihrem Reader. Ist natürlich existenziell wichtig sagen die. Klar- die Nachricht, dass Lothar Matthäus mal wieder eine neue Freundin hat, muss man ja erst aus mindestens 20 verschiedenen Feeds erfahren um aus dem Content dann einen eigenen Bericht verfassen zu können. Ich glaube viele Blogger haben einfach nur keine Ahnung die richtig wichtigen Feeds zu abonnieren. Dann hätten Sie auch mehr Zeit Netzwerkpflege zu betreiben. Oder Sie nehmen sich selbst viel zu wichtig, als das sowas für Sie noch nötig wäre. Ich selbst wurde vor Jahren von mehreren erfahrenen Blogger kritisiert, weil ich in meinen RSS Feed nur einen Auszug des kompletten Beitrags anzeigen lasse. Doch dies tat ich aus gutem Grund: Der Feed soll ein „Appetizer“ sein, indem ein Abriss des Beitrags erscheint. Dann kann sich der Leser immer noch entscheiden, ob es für Ihn interessant ist oder nicht. Zum lesen soll er aber auf meinen Blog kommen und den dort lesen und eben auch kommentieren – Quid pro Quo. Aber nach deren Verständnis „muss“ der Feed den kompletten Inhalt haben, und dann kann der Abonnent sich immer noch entscheiden, ob der Inhalt für ihn relevant ist. Doch das ist ja grade das Problem: Leser die den kompletten Feed gelesen haben gehen nicht mehr auf den Blog, warum auch?

Hochmütig argumentierten die Profis seinerzeit, dass Feeds die nur einen Auszug präsentieren würden bei denen sofort aus dem Feed-Reader fliegen – woraufhin meine damals noch genutzte Blogroll um einige Einträge kürzer wurde. Idioten sollte man nicht auch noch Traffic schenken. Echt, ich bemitleide Menschen, die so eingespannt sind, dass Sie nicht mal die Zeit haben mit einem Mausklick einen Beitrag aufzurufen (Seitengenerierungszeit lt. Piwik ca. 0,63 Sekunden – was macht man bloß in dieser endlos langen Wartezeit). Auch hier haben wir wieder den schönen Effekt: „Nehmen, nehmen – nur nicht geben“ – denn dass die so superwichtigen Überblogger vor lauter Feedsammeln und lesen nicht einen einzigen Kommentar hinterließen war klar, oder?

Nicht vergessen sollte man auch, dass das Niveau der Blogs verwässert wird durch die ganzen „Tante Trudes Produkttest-Blogs“, die als Auftragsblogger für Hallimash und Co. halbgaren Quark über Dinge die keiner braucht, schreiben. Als Einführung irgend einen dümmlichen Zweizeiler und dann eine Review in höchsten Tönen, die selbst Münchhausen die Schamesröte ins Gesicht treiben würde, zu einem Schrott-Produkt, das auf Fotos schon aussieht als würde es sein technisches Leben bereits aushauchen, wenn man versucht es aus der Verpackung zu pfriemeln.

Was bleibt als Fazit? Die Menschen in sozialen Netzwerken sind überwiegend stinkefaul, dumm und egoistisch..

Und damit repräsentieren Sie charakterlich fast 100% der Weltbevölkerung – von daher:  kein Grund sich aufzuregen, oder?

Datum letzte Änderung: 09.06.2014 07:17 Uhr

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