Servicewüste Deutschland Part 3: wenn die Deutsche Bahn Reisende vor Schaden bewahren will – dann muss man hart im Nehmen sein…

Servicewüste Deutschland Part 3: wenn die Deutsche Bahn Reisende vor Schaden bewahren will – dann muss man hart im Nehmen sein…

..oder: Planlos, Servicelos, Trostlos – die DB ist offiziell Sieger in allen Rubriken!

Seit dem 23.11.2016 setzt die Deutsche Bahn auf diversen Linien – ich spreche hier in meinem Fall von der S1 von Dortmund nach Essen – aus “Sicherheitsgründen” die ältesten Schrottzüge, die der Gott des Alteisens erschaffen hat, ein – ein Ende dieser schwachsinnigen Aktion ist leider nicht bekannt.

“Wir bitten um Entschuldigung” – diesen Satz habe ich deshalb in den letzten Wochen nun so oft auf Anzeigetafeln der Deutschen Bahn gelesen, dass er in mir nur noch die blanke Wut hochkochen lässt – ist doch diese verhöhnende Laufschrift in der Regel ein Indiz dafür, dass der erwartete Zug mal wieder ausfällt und man noch weiter auf einem zugigen (aber leider nicht zugverkehrendem) Bahnsteig mindestens 20 weitere Minuten auf ein Beförderungsmittel der DB warten muss – bei Frost und Sturm ein äußerst zweifelhaftes Vergnügen…

Ehrlich lieber Leser – wenn die Züge an den Bahnsteig herankrauchen, glaubt man, man wäre im deutschen Eisenbahnmuseum. Die Lichter der altertümlichen Loks sind so trübe und lichtschwach, dass man vermutet, dass dort die GLIMMA Teelichter von IKEA anstatt echter Glühlampen hinter den Scheinwerfergläsern ihre Tätigkeit verrichten. Die Optik der Waggons steht denen der Loks im übrigen in Nichts nach: das stehen in der Warteschlage des Verwerters hat zahlreiche Graffiti-Möchtegernkünstler eingeladen, die Außenflächen der verbeulten Schienenbeleidiger zu “verschönern”. Schrottbahn 2 kleinManche waren dabei so gründlich, dass man mehrere Versuche braucht um unter der dicken Farbschicht den Türdrücker zu finden.

(Bild Links: so sieht nach der Definition der DB ein „sicherer Zug“ aus. Glaubst Du nicht? Nee… ich auch nicht – ist aber so..)

Auch die Technik der Waggons ist eher besorgniserregend, als dass man sich sicherer fühlen würde. Pneumatische Türen, die sich so schnell öffnen und schließen, dass man als Tierhalter seinen kleinen Liebling aus Gründen der körperlichen Unversehrtheit besser auf den Arm nimmt – er könnte sonst von den maroden Türmechanismen guillotinengleich in 2 Teile getrennt werden. An jedem Waggon ist mindestens eine Tür mit gelb/roten Aufklebern als unbrauchbar kenntlich gemacht. Durchgänge sind gesperrt – Toiletten größtenteils abgeschlossen.

Es wäre alles noch zu ertragen, wenn die DB es schaffen würde das umsteigen in Bochum in eine spätere S-Bahn auf die Reihe zu kriegen, doch leider ist die Leitung des Stellwerks Bochum so stümperhaft, dass knapp 30% der fahrplanmäßigen S-Bahnen ausfallen – ohne dass man als Fahrgast rechtzeitig genug informiert wird, den 2 Minuten vorher einfahrenden Regionalexpress mit gleichem Ziel als Alternative zu benutzen. Fällt eine S-Bahn aus, dann erscheint die Info “Zug fällt heute aus – wir bitten um Entschuldigung” ungefähr 2 Minuten nach der planmäßigen Abfahrt der erwarteten S-Bahn und genau in dem Moment, wenn der Regionalexpress vom Nachbargleis abgefahren ist.

Witzig ist, wie die DB es schafft die Fahrgäste fortwährend in einen Bereich von 180 Puls zu bringen. Man würde meinen, dass das rangieren um einen knapp 300 Meter langen Bahnsteig herum keine Ewigkeit dauern kann. Doch die Rangierkünstler der DB schaffen es in der Tat, dass eine S-Bahn für eine Strecke von nicht mal einem Kilometer über 30 Minuten benötigt – und das obwohl dort keine Züge von anderen Linien halten.

Anzeigen a la DBDazu passen dann auch die Durchsagen – sofern Sie am richtigen Gleis geschaltet werden. Kalte Winterluft transportiert glücklicherweise den Schall gut – die irrtümlich auf Gleis 1 erklingende Durchsage für Gleis 11 können von mit dem Gehör einer Fledermaus ausgerüsteten Mitreisenden so eben noch wahrgenommen werden und da Not zusammenschweißt, geben diese netten Menschen die Infos an die armen Teufel weiter, die ihre Lauscher bibbernd mit einer schalldämmenden Mütze geschützt haben.

Auch der Inhalt der Durchsagen ist chaotisch: da werden die wartenden Zuggäste von einem Gleis zum anderen geschickt, weil der Zug ausnahmsweise auf einem anderen Gleis einfährt – nur um die Fahrgäste kaum 2 Minuten später zum ursprünglichen Gleis zurück zu hetzen.

Man kann sich direkt vorstellen, wie der Ansager von seinem Leitstand aus die Bahnsteige per Video beobachtet, vor lachen am Boden liegt und zu seinem Kollegen frotzelt: “guck mal die Oma hat schon Schnappatmung – noch eine Durchsage zum falschen Gleis und die kippt tot um!”

Das ganze ist so unglaublich schlecht organisiert, dass man sich fragt, wie die DB es schafft die Züge überhaupt einigermaßen pünktlich durch Deutschland rollen zu lassen.

Mal ehrlich liebe Bahn: wie wäre es mit einer pragmatischen Lösung?  Statt diesem ganzen kostenaufwendigem Zinnober, der ja nur für ein Tunnelstück von 3 Haltestellen gemacht wird – warum nicht die “brandgefährlichen” modernen S-Bahnen auf der kompletten Strecke einsetzen und in dem unterirdischem Bereich an den jeweiligen Anfangs und Endhaltestellen jeweils 2 Bedienstete der DB-Sicherheit mit einem Elektro-Löscher zusteigen lassen. Am Ende steigen die Sicherheitskräfte einfach wieder in den Gegenzug. Na, wär das was?

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By | 2017-05-16T07:09:56+00:00 Montag, 23. Januar 2017|Categories: Alltagsabenteuer, Frauen und andere Katastrophen|Tags: , |2 Comments

About the Author:

Peter (aka Doctor Love) hat schon mal das Attribut „bester Allround-Blogger“ von einer bekannten Bloggerin verliehen bekommen – Inoffiziell versteht sich. Er ist in Netzwerken aktiv – schreibt aber hier über alle Themen, die grade aktuell sind (und dabei ist im kein Eisen zu heiß..)

  • puzzle

    Bin ich froh, dass wir keinen Bahnhof haben, das erspart einem tatsächlich mehr Ärger, als es nützt, hm?

    • Peter Awiszus

      Hallöle puzzle,
      da hast Du, denk ich recht. Als „Gast“ der DB ist das Dienstleistungsprinzip ähnlich wie Schnee in der Sahara – nämlich nicht vorhanden.
      Im Sommer fallen reihenweise in den Zügen die Klimaanlagen aus (habe einmal in einem rappelvollen Doppelstockzug oben gesessen, weil der Vorgänger auch schon ausgefallen war und der Bahnsteig deshalb schon überfüllt war. Drinnen waren fast 60° Grad Celsius – Fenster liessen sich nicht öffnen: das ist kein Reiseerlebnis sondern eine Nahtoderfahrung!), der DB Prestige-Zug ICE fällt im Sommer reihenweise wegen technischen Störungen aus, und im Winter frieren die Weichen ein. Das grenzt zum Teil an Körperverletzung was die Bahn dem Kunden zumutet..