Unterhaltung

Der Deutsche – ein Member des Trödeltrupp-Clubs..

..oder: Und? – Wofür schmeißt Du dein Geld zum Fenster raus??

Wir sind ein Volk von Jägern und Sammlern. Daran hat sich seit Otto Neandertaler nichts geändert Punktum! Eigentlich könnte ich den Blogeintrag jetzt schon beenden, denn es ist alles gesagt..

Aber ich möchte natürlich die Aussage der Überschrift filetieren, zerlegen, und hinterher wieder zusammensetzen. – Und ich will mich natürlich auch über alle lustig machen, die auf irgendwelche Werbeversprechen der Home-Shopping Sender reinfallen, und dort ihre Püppies und ähnliches kaufen, weil Sie glauben, dass Sie damit später durch den Verkauf der Sammlung Ihre Rente finanzieren können.

Das sammeln von Plunder ist ein Phänomen, welches existiert, solange ich mich zurück erinnern kann.

Wer kann sich nicht noch an den Sammelhype auf verschiedene Gebrauchsgegenstände im Wert von ein paar Euro fuffzig erinnern, bei denen entweder im Fernsehen mit dem Slogan “einmaliges Sammlerstück – auf 1000 Exemplare limitiert” geworben wurde, was den sammelwütigen Deppen ohne nachzudenken dazu gebracht hat, sein sauer verdientes Geld in “einmalige” Miniatur-Spritzgussautos von Franklin Mint zu investieren, die damals stolze 80 D-Mark kosteten, damit ca. 10 mal teurer als ein Matchbox-Auto (welches von besserer Qualität war, und womit man als Kind wenigstens spielen durfte –während die blöden Franklin Mint Teile sofort in eine Glasvitrine mit Laserstrahlenschutz und Glasbruchsensoren weggesperrt wurden), und für die der enttäuschte Besitzer Heute an guten Tagen auf dem Trödel grade noch einen Fünfer bekommt.

franklin-Mint-Auto (Sie haben Geld zuviel? Suchen ein Investitionsobjekt mit garantiert niedriger Rendite und absolut Null Alltagstauglichkeit? Glückwunsch – Hier sind Sie richtig!)

Oder der Hype um die billigen Swatch-Plastikuhren, bei denen es limitierte Serien mit rieeeesigen Gewinnen gab (so ließ jedenfalls der Swatch-Führer die blöden Käufer im Glauben)?  Die Adressen der Uhrenhändler, wo es die raren Sondermodelle gab, wurden wie Insider-Tips bei Pferdewetten weiter gegeben. “Hey, psst, willst du wissen, wo du blabla…!”. So wurden für Uhren, die eigentlich nur 80 D-Mark kosteten, utopische Preise erzielt (jedenfalls im Hirn der Kaufwütigen “Investoren”). Aber im Ernst! Ich kenne keinen einzigen Menschen, der mit dem billigen Plastikschrott Gewinn erzielt hat. Auf langfristigen Zeitraum sowieso nicht. Versuchst du die heute zu verkaufen, und zu sagen: “Das ist ein einmaliges Sammlerstück, und hat einen Wert von 500,00 Euro”, wird der Käufer dir antworten: “Das ist ne 20 Jahre alte Plastik-Swatch, du Spinner. Ich geb dir ‘nen Fünfer, wenn ich das Matchbox-Auto dazu kriege..”

Und du musst froh sein, dass du den Mist los bist, denn du versuchst die Sachen schon seit einem halben Jahr erfolglos zu verscherbeln!

Apropos billiger Plastikschrott. Die Krönung der Dummheit waren die Ü-Ei Investoren, die spezielle seltene Figuren aus den Ferrero-Überraschungs-Eiern suchten.

Ü-Ei-klein (Reich durchs Kalorien-Verzehren. Nette Idee.. funktionierte nur nicht! Wie bei allen Sammelobjekten gilt auch hier: der Preis wird von der Nachfrage bestimmt!)

Da wurden die Eier aus dem Regal genommen – wurden prüfend in der Hand gewogen – ans Ohr gehalten und geschüttelt – alles nur, um herauszufinden, ob sich vielleicht in dem Ei der “Schatz” befand, den man noch brauchte, um seine Elaste und Plaste-Püppi-Sammlung im Material-Wert von 2 Cent um ein weiteres staubsammelndes aber völlig unbedeutendes Exemplar zu erweitern. Es gab sogar Ü-Ei-Sammler-Kataloge, die natürlich nicht amtlich waren, sondern völlig willkürliche, und an den Haaren herbeigezogene Preise beinhalteten.

Aber mit dem Katalog unter dem Kopfkissen, den 500 Figuren der Teenie Tapsi Törtels, Happy Hippos, Crazy Crocos, Dapsy Dinos, Peppy Pingos, Drolly Dinos und Funny Fanten, sowie 3000 Kalorien Milchschokolade von den 30 gemampften Überraschungs-Eiern intus, konnte unser kleiner Schleckerfürst gut schlafen.

Wundern tun sich heute alle nur, wenn Sie die Früchte Ihrer einstigen Sammelleidenschaft ernten wollen, und sie glauben den neuen Porsche durch den Verkauf ihres zu Hause angesammelten Schrotts gegenfinanziert zu bekommen.

Da fließen dann schon mal Tränen der Enttäuschung, wenn statt dem erhofften Sportwagen aus Zuffenhausen nur das Geld für ein Monatsticket der Öffentlichen rausspringt.

Heute gaukeln uns die Shopping-Sender vor, dass dein persönliches Glück nur perfekt ist, wenn du die Künstlerpuppe ‘Tessie’ neben ihre 2 Schwestern stellst, weil sich die anderen beiden ja sonst so alleine fühlen – oder Du kaufst Dir gleich billigen China-Schrott..

(Ja, die Moderation macht’s – Egal welcher Plastikmüll für teuer Geld verramscht werden soll . Die Teleshopping-Kanäle. verkaufen alles)

Es soll ja sogar eine große “Puppenfamilie” unter den geistig verwirrten Bestellern geben, in der sich die Besitzer der Staubfänger in Menschengestalt austauschen, und sich neue Geschichten zu ihren kleinen Lieblingen ausdenken. Ich halte das für äußerst bedenklich und denke, dieses Verhalten gehört medikamentös therapiert…

Was treibt uns dazu, unser Geld für Dinge auszugeben, die völlig nutzlos sind? Die eigentlich nur im Weg stehen, zum spielen bei Strafe nicht benutzt werden dürfen, nur Staub sammeln, und kaum aus der Verpackung herausgenommen, nur noch den Bruchteil des angepriesenen Wertes haben?

Schaffen uns dazu sogar auch noch Literatur von selbsternannten Fachleuten und ‘Kennern der Szene’ über den Quatsch an, und nerven nach Studium dieser wissenschaftlich fundierten Hochglanz-Verkaufs-Magazinen, alle unsere Freunde mit dem “Wissen”, dass diese Puppe “einem 3jährigen deutschen Mädchen nachempfunden wurde, dass der Künstler bei seinem Besuch im Schwarzwald versehentlich mit seinem dicken Daimler platt gewalzt hat..” Aus Höflichkeit lächeln wir gequält, und ertragen diese Geschichten, obwohl wir uns eigentlich wünschten, wir hätten ein Hörgerät, und könnten die Mute-Taste drücken!

Wieso macht sich Otto Normal-TV-Shop-Verbraucher zu einem Spezialisten auf einem Gebiet, dass niemanden (und damit meine ich wirklich NIEMANDEN) aus seinem Freundes-, Bekannten-, und Familienkreis interessiert. Bei dem, sollte er unverhofft zu Besuch kommen, alle Leute schnell hinter der Couch in Deckung gehen, die Luft anhalten und sich Tot stellen, damit er wieder abhaut, weil alle Angst haben, der verpeilte Spinner könnte Ihnen wieder die Ohren mit seinem langweiligem Puppen-Quark voll sülzen?

Ich glaube, dass solche Leute in ihrem Leben zu durchschnittlich sind, und vielleicht auf keinem Gebiet wirklich Bescheid wissen. Ich vermute mal, dass es für diese armen Seelen einfacher ist, sich auf einem Gebiet, was wirklich niemanden anderen interessiert schlau zu machen, damit Sie wenigstens auf einem Wissens-Gebiet anderen Menschen etwas voraus haben.. ist aber nur ‘ne Theorie…

Naja, solange ich weiss, dass ich für meine Bierflaschen-Sammlung wenigstens noch den Pfandwert bekomme, kann ich mit meiner Sammel-Leidenschaft noch ganz gut leben.

Ach habe ich dir erzählt, wo ich diese herrliche Flasche Oettinger Bock-Bier getrunken habe? Nein? Hör zu: “Also es war eine laue, sternenklare Sommernacht, und ich saß grade…….”

letzte Änderung: 25.01.2010 10:22 Uhr

Doctor Love

Peter (aka Doctor Love) hat schon mal das Attribut "bester Allround-Blogger" von einer bekannten Bloggerin verliehen bekommen - Inoffiziell versteht sich. Er ist in Netzwerken aktiv - schreibt aber hier über alle Themen, die grade aktuell sind (und dabei ist im kein Eisen zu heiß..)

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21 Geistesblitze

  1. Ich habe eine Zeit lang sehr gerne Ü-Eier gekauft, weil ich die Figürchen soo drollig fand. Die Schokolade habe ich aber nur selten gegessen, weil sie mir gar nicht geschmeckt hat.lg Fee

  2. dann nimm dies: Bernd das Brot Nachtschleife z. Thema Sammlerpüppschen ab Minute 1:31 > http://www.youtube.com/watch?v=vyg4dPbZ8R4

  3. Tja, was muss ich da sehen: Gestern noch bei Youtube – heute schon entfernt. das knuffige Puppengünther-Verarsche Video von Olli Kalkofe.. – Youtube, Gema, Güfa. Ihr könnt mich mal ganz gehörig am A…. ^^

  4. Bierdeckelsammeln bringt nicht mal einem Kneipenwirt mehr als Verluste, es sei denn, er hätte ein paar glatzköpfige Cousins, die gern Baseballspielen üben, wo die säumigen Zahler wohnen.

  5. Wir hatten mal so eine Ü-Ei Phase; war ganz gut, als ich die gesamte Sammlung gegen eine Anlage eintauschen konnte.Dann kam die nurgrüneFrösche Phase, sie landete im Müll irgendwann..Autos haben wir immer noch :-)Gold…würde ich gerne sammlen, auch wenn es nur zum Schmelzen wäre…lach…Dafür sammle ich jetzt Hundehaare….das ist was für die Ewigkeit :-S

  6. @puzzle – häufig bricht noch mehr – Nämlich die Eltern in Tränen aus, weil Sie so viel Geld in absoluten Quark investiert haben :-) Viele wollen oder können gar nicht begreifen, dass es Menschen gibt, denen der ideelle Wert völlig wurscht ist. Sehr häufig ist das ja bei Goldschmuck so. "Mein Junge, dieser Schmuck war richtig teuer, dafür wirst du später richtig viel Geld verdienen".. und dann geht man mit dem Geschmeide zum Goldschmied, und der sagt dir knallhart: "Sorry, aber der Stil dieser Kette ist so altbacken, das trägt keiner mehr." Und dann wird der ganze Rotz gewogen, und eingeschmolzen, und du musst leider doch weiterarbeiten, weil sich der erhoffte Reichtum in Luft aufgelöst hat… :-)

  7. Als bekennender Trödeltrupp-Gucker (und vorher schon immer das baierische "Kunst und Krempel") fällt mir eins viel mehr auf: wie sehr Eltern ihren Kindern vermitteln, wie wertvoll und teuer Omas Schmuck und die heilige Wohnwand sind, aber wenn es dann zum Schätzen des Wiederverkaufswerts durch Profis kommt, brechen nicht nur die geldwerten Vorstellungen zusammen, sondern auch ganze Familienglaubenssysteme.

  8. @TB – Ach, jeder sammelt ja irgendwas. Männer horten Bierdeckel oder Gina-Wild-DVDs.. Frauen dafür Puppen und pubertierende Teenager wiederum bevorzugt Adressen und Telefonnummern des anderen Geschlechts. Es darf nur nicht zur manischen Sucht werden, wie es bei einigen der Fall ist. Und man muss sich von dem gedanken trennen, dass es für irgend jemand anderen auf dieser Welt so viel "wert" ist, wie dir. das merkt man, wenn man aus welchen Gründen auch immer, die sachen loswerden will. Ein Privatmann wird deine Sammlung schnuppe sein (vor allem wird er dir den Finger zeigen, wenn du die Preise aufrufst, die dir vielleicht im Kopf rum schweben), und ein Profi will nur seinen Gewinn machen, und drückt den Preis auf ein Bruchteil dessen, was er in seinem Laden dafür verlangt..Ob das im Alter zunimmt? Bei mir eigentlich nicht. Ich bin aber momentan auch wieder in der Teenager-Phase (und sammel Adressen und Telefonnummern von willigem Weibsvolk) ;-))Liebe Grüße der Doc.

  9. @puzzle – aber Familienglaubenssysteme – das Wort hat ja was… Du hast wohl momentan wieder deine Wortverliebtheits-und-verspieltheits-Phase… :-))@Tina – Gold sammel ich nur in Barrenform.. leider reicht es noch nicht mal für den kleinsten barren in Form eines Anhängers.. Und warum? Weil ich mein ganzes Geld in diese blöde Bierdeckelsammlung gesteckt habe, wo mir der vorige Besitzer gesagt hat, das wäre DAS Renditeobjekt schlechthin..

  10. *lach* gut geschieben …. ich muss gestehen ich habe auch mal gesammelt und zwar Schlümpfe *g* und Briefmarken und auch Figuren aus dem Ü Ei … bin ich jetzt auch ne arme Seele die von nix Anderem ne Ahnung hat*gg* ist schon ein Tick den man da entwickelt… das fängt ja schon ganz früh in der Kinheit an und wird eigentlich im Alter schlimmer *g* was haben wir denn auch sonst von unserem tristen Dasein auf Erden… *g* ich finde das nicht schlimm solange man sich nicht deswegen verschuldet … denn bei manchen bleibt es nicht beim Ü Ei … sondern da wird eben in anderen Preislagen gesammelt.. also aufpassen das man nicht dem Rausch des Sammelns und Besitzens verfällt !LG TB

Geistesblitz da lassen..

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