Nachrichten und Politik

Immer noch ne Schüppe drauf!!…

..oder: “Reform” – mein persönliches ‘Unwort’ des Jahres 2005,2006,2007,2008,2009,2010…..

Reform (lat. für re zurück; formatio Gestaltung: Wiederherstellung) bezeichnet in der Politik eine größere, planvolle und gewaltlose Umgestaltung bestehender Verhältnisse und Systeme. – soweit die Definition lt. Wikipedia. Ein aufmerksamer Leser wird festgestellt haben, dass einige Worte dort nicht stehen – unter anderem die Attribute: “sinnvoll”, “sozial verträglich”, “gerecht”, und nicht zu vergessen meine Lieblingseigenschaft: “intelligent”.

Nachdem die Bundesregierung in den letzten Legislaturperioden den Arbeitsmarkt, das Sozialsystem, und das Gesundheitswesen reformiert hat, liegt eigentlich alles was reformiert wurde in Trümmern. Der Arbeitsmarkt ist quasi nicht mehr existent, und wenn besser bezahlte Jobs ausgeschrieben werden, sind sie so speziell, dass die Bewerber dafür auf einen Bierdeckel passen. Alle anderen angebotenen Jobs sind entweder befristete Projekte, Leiharbeit mit den entsprechenden Tarifen, unterbezahlte Knochenjobs, oder gleich ‘Aufstocker-Jobs’, bei denen (mit freundlicher Absegnung der ARGEN), der gefälligst die Schnauze haltende und glücklich nickende Arbeitnehmer in Spe gute Ratschläge bekommt, wie er den ergänzenden Sozialhilfe-Antrag ausfüllt.

Das Sozialsystem ist dank Schröders Agenda 2010 und dem ‘fördern und fordern’-Schwachsinn zu einem Minenfeld von Repressalien für die Bedürftigen geworden (so habe ich von einem dort Beschäftigten erfahren, dass die Arbeitsämter nun dazu übergehen, bei zu viel gezahlten Leistungen, ein Ordnungswidrigkeitsverfahren einzuleiten, dass dem “Betrüger” mindestens 1000,00 Euro Strafe auferlegt. Und das schon ab versehentlich 20,00 Euro zu viel erhaltener Unterstützung). Dürfte wohl dem Bürger schwer zu vermitteln sein, wenn Steuerflüchtlinge ihre Millionen im Ausland verstecken, und, falls Sie erwischt werden, einen Deal aushandeln, der Sie weder in den Knast, noch ins Armenhaus bringt.

Hartz IV Antrag

Eine andere Reform, an der seit Frau Ulla Schmitt rumgedoktert (welch passender Begriff) wurde, ist die Gesundheitsreform. Nachdem über die Jahre hinweg die Einzelbelastung immer höher, die Leistungen aber immer weiter beschnitten wurden, kommt nun der nächste große Wurf:

Ein Zusatzbeitrag von mindestens 8,00 Euro für jeden Krankenversicherten. Und man überlegt, eine Einkommensunabhängige Kopfpauschale einzuführen. In einem in den Medien präsentiertem Beispiel musste ein Arbeiter mit einem Einkommen von 2.500,00 Euro Brutto zukünftig noch 100,00 Euro mehr an die Krankenkasse zahlen. Auaha! Bei 13% Beitrag für die Kasse statt 325,00 Euro 425,00 Euro Kassenbeitrag jeden Monat? Was das heißt, weiß wohl jeder: Die Einkommensschwachen Haushalte werden noch weiter benachteiligt. Und das immens!! Bei einigen Versicherten ist schon die Quartalsgebühr von 10,00 Euro ein Luxus, und nun darf man seiner Krankenkasse noch zusätzlich Geld in den Popo blasen, weil die nicht wirtschaften können.

Warum ist denn unser Gesundheitswesen so teuer? Am Einkommen der Ärzte kann es nicht liegen. Einige verdienen nicht schlecht, aber wenn ich 2 mal im Jahr wegen Grippe zum Arzt gehe, und für ein Beratungsgespräch, Blutabzapfen, Rezept (für das ich dann in der Apotheke pro verschriebenem Medikament 5,00 Euro zahlen muss), grade mal 20 Euro abgerechnet werden dürfen, habe ich meiner Krankenkasse knapp 40 Euro im Jahr gekostet. Die Medikamente? Ja, da wird’s übel. Denn in Deutschland dürfen die Pharmafirmen Preise nehmen, als wenn die Straßen hier mit Gold gepflastert wären. Das ist in anderen Ländern anders.

Okay, ich habe also in meinem Fall meiner Kasse im laufenden Jahr 80 Euro Kosten verursacht, aber 4200,00 Euro an Sie gezahlt.

Wäre ich selbstständig, und könnte Rechnungen mit solchen Gewinnspannen schreiben, ich würde mich vor Freude in den Schlaf weinen. Aber bei den gesetzlichen Krankenkassen soll das nicht mal Kostendeckend sein?..

Mal ehrlich – ist es meine Schuld, dass die Pharma-Lobby dank politischer Unterstützung ihre Medikamente hier zu Preisen verkaufen kann, dass dagegen selbst Gold wie billiges Altmetall wirkt? Dass jeder Asylant hier in der gesetzlichen KV pflichtversichert ist? Dass es 10köpfige Familien-Clans gibt, in denen ein einziger Muselmann als Ernährer die ganze Bagage zum Arzt schleppt, und denen das volle Programm spendiert? Dass ich obwohl ich es möchte, nicht von der Gesetzlichen in die Private wechseln darf, weil es Einkommensmäßig nicht reicht?

Wieso schaffen es denn die Privaten Kassen in den schwarzen Zahlen zu bleiben?

Ein Rechenbeispiel:

Für eine Private Krankenversicherung zahlt man zum Beispiel 419,89 €  wenn man bei Eintritt Baujahr 1958 ist, oder 202,14 € bei Baujahr 1980. Das ist übrigens das große “Sorglos”-Paket. Und man bekommt folgendes:


Selbstbehalt: 1000 Euro
Alternative Heilmethoden: offene Positivliste; Zusammenarbeit mit Zentralverband der Ärzte für Naturheilverfahren e.V.
Brille & Kontaktlinsen: 100% bis zu Rechnungsbetrag von 160 EUR, darüber zu 1/3
Heilpraktikerleistungen: 100%
Hilfsmittel: 100%; kein fest begrenzter Leistungskatalog
Krankenfahrstuhl: 100%
Psychotherapie: 100%
Vorsorgeuntersuchung: alle zur Früherkennung medizinisch notwendigen Untersuchungen
1-Bettzimmer mit Chefarztbehandlung
Zahnbehandlung 100%; Zahnersatz 80%; Inlays 100%
GOÄ: über Höchstsatz


Sollte man auf Einbettzimmer und hohe Zuzahlungen verzichten können, dann reduziert sich der Beitrag um knapp 30-50%.

Und was sehen Wir? Selbst unter Einbeziehung des Eigenanteils von 1000,00 Euro sind die Leistungen bei der Privaten besser, die Kosten (wenn man schon früh wechselt) niedriger. Und nicht zu vergessen: Die Privaten zahlen meistens 50% der Beiträge zurück, wenn man Sie im laufenden Jahr nicht in Anspruch genommen hat. Woher das kommt? Die Private KV ist Kopf- bzw. Personenbezogen. Die verstehen das Wort Kopfpauschale nämlich völlig anders, als der neue Gesundheitsminister unserer Regierung, der Herr Dr. Philipp Rösler (der übrigens selber Arzt ist).

GELD, GELD, GELD! Alle wollen's haben...

Zugegeben: Es wird teuer, wenn man als Selbstständiger Alleinversorger ist, und seine Frau und die 3 Kinder krankenversichern muss. Aber vielleicht sollte die gesetzliche KV und die schlauen Köpfe der Regierung da mal einhaken, und sich mal überlegen, ob man statt einer Kopfpauschale, lieber einen Kopfbezogenen Beitrag erheben sollte, bei dem eben der mehr zahlen muss, der auch mehr Paselacken in die Wartezimmer der Ärzte schleift.

Das fände ich nämlich zur Abwechslung mal sozial Gerecht..

letzte Änderung: 02.02.2010 13:46 Uhr

Doctor Love

Peter (aka Doctor Love) hat schon mal das Attribut "bester Allround-Blogger" von einer bekannten Bloggerin verliehen bekommen - Inoffiziell versteht sich. Er ist in Netzwerken aktiv - schreibt aber hier über alle Themen, die grade aktuell sind (und dabei ist im kein Eisen zu heiß..)

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9 Geistesblitze

  1. So genau hatte ich mir das mit den Beiträgen noch nie ausgerechnet, immer nur überschlagen, wieviel gesamt in den Jahren ich eingezahlt hab und was ich an Zinsen hätte kassieren können, wären diese Gelder irgendwo angelegt worden. Autschn!LG an dich*

  2. ich denk mal, das Problem ist tatsächlich. dass du den Reformversprechungen glaubst. aber wie schon Uwe mich immer gern belehrte: Es sind Versprechungen ^^ Wiki erklärts : http://de.wikipedia.org/wiki/Versprechenah. zum Gesundheitswesen ham Monthy Python doch schon alles gesagt. ich glaub, das war in "Der Sinns des Lebens" Piep dabei droht mir als Selbständiger grad son Hauptzollamt mit Vollstreckung weil ich letztes Jahr einen Monatsbeitrag nicht gezahlt hab. ah ich will da jetzt nicht ins Detail gehn. dabei nehm ich regelmäßig Propolis von Aagaard und war letztes jahr glaubsch gar nicht beim Arzt. also in dem Monat sowieso nicht. da bin ich sicher. aber is halt das Solidarprinzip: Einer für Alle und Alle für Einen. naya. zumindest so ähnlich. und. was ich noch sagen wollt. is echt süß wenn du Popo statt Arsch sagst ^^

  3. @Harry – Au Jau, ich freu mich schon.. ^^@Fee – Ja, es kommt zum Teil auch auf die Versicherung an. ich war damals bei der LVM, und die war absolut günstig. Auch heute ist die Preisspanne bei den Privaten erheblich. da kannst du für fast identische Leistungen das doppelte und dreifache bezahlen.. aber das ist ja bei allen Versicherungen so .. ^^

  4. Ich war eine Zeit lang bei der gesetzlichen Krankenkasse freiwillig versichert , weil ich nicht gearbeitet habe. Da musste ich ganz hohe Beiträge zahlen. Damals habe ich über 400 .- DM monatlich gezahlt und das ganze Jahr nie zum Arzt gegangen. Das Geld hätte ich mir lieber sparen können. Wenn ich mir für das Geld lieber Schokolade kaufen würde, hätte ich mehr davon… ;))) lg Fee

  5. Dazu kommt noch, wenn Privatversicherte den Arzt nicht nutzen ( da gibt es gewisse Regelungen, in welchem Zeitraum), bekommt er sogar Beiträge zurück!! Medikamente muss man erst selbst bezahlen, bekommt aber anschließend das Geld sofort zurück.Und…wenn ein Privater ein Wehwehchen hat, kommt er sofort dran, auch wenn ein anderer blutend im Wartezimmer sitzt…

  6. @Tina – stimmt hatte ich auch geschrieben. War ja auch ne Zeit lang selbstständig. Da bezahlte ich bei wesentlich besseren Leistungen 130,00 D-Mark, und bekam am Ende des Jahres ca. 50% zurück..

Geistesblitz da lassen..

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