Zur Werkzeugleiste springen
AlltagsabenteuerUnterhaltungWerbung & andere Lügen

Und siehe – Jesus verwandelt Wasser in Wein (Johannes 2:1-11)…

..oder: und das deutsche Bäckerhandwerk verwandelt Margarine in Butter…

Mittwoch streikte in NRW der öffentliche Personennahverkehr. Dies ist für unsere Geschichte in sofern von Belang, als dass Donnerstag scheinbar einige Busfahrer noch in Streiklaune waren, und ich deshalb einen späteren Bus nahm, der mich nicht über die Uni – auf deren Campus ja immer noch irgendwo die Mutter meiner Kinder rumläuft (die ich nur noch finden muss, weshalb ich Morgens immer über das Uni-Gelände streife – natürlich mit Blick auf Jagdbeute) und späteren Aufenthalt beim Brötchenwagen von Herrn Rüssman, dessen belegte Brötchen Superlecker und mit 1,20 € dazu noch Superpreiswert sind.

Gezwungen meinen Fußweg anders zu timen, um auf der einen Seite noch zu preiswerten Brötchen zu kommen, aber andererseits noch ein paar Kilometer für die Figur runter zu reißen, stieg ich an der Bushaltestelle Dortmund – Kley aus. Von dort aus sind es knapp 15 Minuten Fußweg zur Firma. Und in einer Querstraße gibt es einen kleinen Bäckerladen, wo ich mich alternativ mit Brötchen versorgen wollte.

Und hier beginnt unsere Geschichte…

Ich öffnete die Tür des kleinen Bäckergeschäftes und betrat den Verkaufsraum.  “Palim, Palim..” (Ja, zugegeben, das Türbimmeln ist von Didi Hallervorden geklaut, aber das was jetzt kommt hat auch schon eher Sketch-Charakter..)

“Ich hätte gerne 2 Salami-Brötchen”..

Die Verkäuferin beugte sich in die Verkaufstheke um ein aufgedonnertes Brötchen zu greifen, auf dem unter dem Salatblatt, der Tomatenscheibe und diversen anderen Gartengemüsen eine verlorene Scheibe Salami ob der geballten Übermacht Brötchenmatsch erzeugender Feucht-Beläge hilfesuchend hervorschaute.

“Stop! Haben Sie nicht ganz normale Salami-Brötchen ohne diesen ganzen Krempel drauf?”

Die Verkäuferin schaute mich fragend an.

“Wieso? Was ist mit den Brötchen” war die Antwort auf mein Begehr.

Ich erklärte Ihr, dass die Brötchen bis zum Mittagessen bei mir im Büro liegen und dank der zu fast 100% aus Wasser bestehenden Garnitur, das Brötchen bis dahin nur noch Matschkonsistenz hat.

“Ich kann Ihnen auch ganz normale Salami-Brötchen machen..” so die Bäckereifachverkäuferin (im folgenden BFV genannt)..

Ich: “Ja Prima, dann hätte ich gerne 2 Stück..”

BFV: “Möchten Sie Remoulade oder Butter als Aufstrich?..”

Ich: “Eigentlich hätte ich gerne Margarine…”

BFV: “Das ist Margarine..”

Ich: “Hatten Sie nicht grade gesagt die Wahl wäre Butter oder Remoulade?”

BFV: “Das ist Margarine, aber wir sagen immer Butter, weil es kürzer ist..”

Ich: “aber Butter ist ein tierisches Fett und Margarine ein pflanzliches – und dazu noch wesentlich teurer..”

BFV: “Fett ist Fett!..”

Ich war erschüttert!

Es war augenblicklich klar: Das Bäckerhandwerk steht finanziell vor dem Aus. Jawohl, der Bankrott ist nur noch einen winzigen Schritt entfernt!.

So weit ist es schon gekommen, dass, um effizient zu arbeiten und das Bruttosozialprodukt noch halbwegs erreichen zu können, zu lange Wörter von den IHK geprüften Verkaufstheken- Betreuerinnen gegen kürzere ausgetauscht werden müssen. Diese 2 nicht ausgesprochenen Silben, in der zeitlichen Länge eines Wimpernschlags, entscheiden scheinbar über Wohl und Wehe tausender deutscher Bäckereien.

Brötchenwunder-wunderbrötchen

(Die BFV meines Vertrauens.. Na kommt, Leute.. gebt zu.. keinem von euch ist das perfekt ins Bild montierte Brötchen aufgefallen..)

Was kommt als nächstes? Ich schlief schlecht die Nacht und wälzte mich schweissnass hin und her, denn düstere Visionen geisterten durch meine Träume..

Sprit ist Sprit…

Denken wir mal an die ganzen gebeutelten Tankstellen-Pächter – was, wenn das Beispiel der Mehlverarbeitenden Zunft dort Schule macht?  Wäre doch mal eine Überlegung wert, seine Gewinne ebenfalls durch Falschauszeichnung etwas zu optimieren?

Nur blöd für den Kunden, wenn der den Tank seines Boliden, im guten Glauben mit teuren Super Plus Sprit gefüllt hat, und mitten in der Pampa die Ventile dank nicht klopffestem Normal-Benzin eine Sightseeing Tour der besonderen Art machen, und sich durch den Zylinderkopf und die Motorhaube bohren, um  eines Leuchtkäfers gleich glühend  durch den Nachthimmel zu entschweben..

Toller Nebeneffekt: die wegen leerer Auftragsbücher klagenden KFZ-Werkstätten hätten endlich wieder jede Menge zu tun..

Oder denkt nur an die deutsche Bekleidungsindustrie!

Stoff ist Stoff

Viele klangvolle Namen von Herstellern sind schon seit Jahren nur noch Treibsand auf der Wanderdüne der Geschichte, weil Sie es vermisst haben, statt dem unaussprechlichem Wort Polyacryl das wesentlich Ohren-und Hautschmeichelndere Kashmir zu benutzen. Auch hier der Beweis, das in Konsequenz die 2 zuviel geplapperten Silben für den wirtschaftlichen Niedergang einer ganzen Industrie verantwortlich waren.

Vielleicht fällt ja sonst noch jemandem was ein, womit wir der strauchelnden deutschen Wirtschaft wieder auf die Beine helfen können? Für Vorschläge wäre ich (und natürlich die deutsche Wirtschaft) dankbar..

Datum letzte Änderung: 26.03,2012 19:17 Uhr

 

Schlagworte

Doctor Love

Peter (aka Doctor Love) hat schon mal das Attribut "bester Allround-Blogger" von einer bekannten Bloggerin verliehen bekommen - Inoffiziell versteht sich. Er ist in Netzwerken aktiv - schreibt aber hier über alle Themen, die grade aktuell sind (und dabei ist ihm kein Eisen zu heiß..)

verwandte Artikel

5 Geistesblitze

  1. Hatten meine Großeltern auch. Gänse, Karnickel und ganz früher sogar 2-3 Schweine. Die wurden übers Jahr gemästet, so ganz nebenbei. Ich ess auch viel Fleisch. Vorgestern habe ich wegen des Jod und weil es ja so gesund ist, Seefisch gegessen. Heute wieder mal einen dicken Zeh. Scheiß Gicht. Hätte ich bloß ein Steak gegessen, dann wäre das nicht passiert.

    1. Jo, früher hatten wir alles im Garten auf der anderen Strassenseite. Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Schnibbelbohnen, Kohlrabi, Rhabarber und Karnickel. Selbst ’ne Ziege war da. Alles bewacht von Arras – einem deutschen Schäferhund, der genau wie viele andere guten Eigenschaften der Deutschen scheinbar ausgestorben ist..
      Tja – Times they are achanging..

  2. @Richie – Sex sells! ^^
    Und zu deinem Opa – Respekt. Ich denk, die alten Herren konnten mehr mampfen, weil Sie alle Jobs hatten, bei denen Sie doppelt so viele Kalorien verbrauchten, als wir Heute bei unseren Schreibtischtäter-Jobs.
    Oma hatte früher auch viel fetter gekocht. Salat? Den gab’s für die Karnickel, damit die fetter wurden und geschlachtet werden konnten…

  3. Also das liebe ich an Peters Artikeln. Hier kann ein einfaches Salamibrötchen zu einer hocherotischen Sache werden. Ich stehe auch mehr auf Butter. Butter schmeckt sehr gut und ist mit Margarine nicht zu vergleichen. Mein Sauerkraut schmore ich immer in Butter und mit Butter lassen sich die leckersten Saucen montieren. Butter enthält daneben viel Vitamin D. Margarine ist nur vitaminisiert, was überhaupt keine Aussagekraft für die Gesundheit hat. Die BFV hat unrecht, wenn man den biologischen Aspekt betrachtet. Der Körper braucht Fett, zuviel davon ist schädlich. Butter hat 750 kcal/100g, Margarine 720kcal/100g. Margarine enthält viel Natrium, Butter so gut wie gar nicht. Letztendlich machen aber die verschiedenen Fettsäuren den Unterschied. Gesättigte, ungesättigte und mehrfach ungesättigte, wie z.B. die Omega-6-Fettsäuren (Sonnenblumenöl) und Omega-3-Fettsäuren (Lachs, Hering).

    Was mich nur wundert, ist Folgendes: Oppa hat bevorzugt deftige Kost konsumiert. War kein Brot im Haus, dann wurde die dick geschnittene Salami zusätzlich mit Schinken belegt. Er aß Schweineohren, fetten Seefisch, Eisbeine, Eier in Massen und schnitt mit seinem Taschenmesser alles übern Daumen und spülte es mit Barre Bräu runter. Es war eine Freude Oppa beim Abendbrot zuzuschauen. Den Salat bekamen die Karnickel. Er wurde 76 Jahre alt und starb 1987. War eigentlich nicht zu dick. Er hatte halt immer einen sitzen und rauchte wie ein Schlot (Reval). Margarine wurde nur zum Braten verwendet.

    Sicher. Hätte er nach heutigen Gesichtspunkten gegessen, dann wäre er vielleicht 96 Jahre alt geworden. Man weiß es nicht. Ich denke er hat das gegessen, was sein Körper ihm gesagt hat. Nebenbei übrigens jeden Tag Kartoffeln. Das ist ja der basische Ausgleich, wenn man viel Fleisch isst.

Geistesblitz da lassen..

auch interessant..
Close
Back to top button
Close
Close
%d Bloggern gefällt das: