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Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins..

,,oder Vertragskündigung bei 1&1 in 12 einfachen Schritten

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mmer wieder stellt man im Leben fest, dass es Dinge gibt, die absolut unlogisch sind, aber weil es von den Oberen oder von Konzernen vorgegeben wird – ja, da gibt sich natürlich ein jeder den Anschein ein Global Player zu sein – schon hält der Kunde die Klappe und kuscht: Denn so ein Riesenkonzern weiß sicher was er tut und natürlich ist das immer Gesetzkonform.

Genau – tun die alle.  Deshalb mussten auch Umweltschützer die Plattform Brent Spar besetzen, damit das verseuchte Ölzwischenlager nicht klammheimlich von den Besitzern Shell und Esso versenkt werden konnte. Dieser kleine Sieg gegen Multis wurde dafür tausendfach durch  die Umweltkatastrophe der Deepwater Horizon im Golf von Mexiko und der anschließenden Verseuchung eines ganzen Ökosystems ausgeglichen. Am liebsten hätten die Ölmultis dies als Malheur bezeichnet – im Hinblick darauf, dass fast alle Ozeanriesen Ihr Altöl im Meer verklappen (natürlich außer Sichtweite der Überwachungshubschrauber), Japan sich einen Dreck um Beschränkungen von Fangquoten schert und Fischfangflotten mit etlichen Kilometern langen Netzen das letzte bisschen überlebende Kiemenatmende Getier abfischen, und es in den Tiefkühltruhen der Lebensmittel-Supermärkte seit Jahren Fische zu kaufen gibt, die früher als Beifang bestenfalls zu Fischstäbchen verarbeitet wurden, ist es das wahrscheinlich sogar (OK – bei dem Bandwurmsatz sage ich mal lieber noch mal worum es ging: es war das Malheur..)

Soviel zum Thema: Konzerne wissen was Sie tun, gehen pfleglich mit der Umwelt um, und wollen nur das Beste für den Verbraucher.

Aber das habt Ihr ja eh nicht geglaubt, oder?

Nun, verlassen wir mal die Global Player Liga und kommen wir zu den mittelständischen Unternehmen der Republik. Genauer gesagt zu den unzähligen Anbietern von Telefon, DSL, Internet und Mobilfunk. Auch hier finden sich Ungereimtheiten – natürlich alle zum Wohle des Kunden.

(Kundenfreundlichkeit geht anders. Alleine die Kündigung bei dem Internet-Provider aus Montabaur ist eher ein Gang durchs Minenfeld, als ein kundenfreundlicher Vorgang)

Hat sich noch nie jemand gefragt, wieso man dort einen verschlüsselten Account hat, welcher dazu mit einem Passwort gesichert ist, und man dort alle möglichen Verträge abschließen kann – aber will man einen Vertrag kündigen geht das dort natürlich nicht. Aus unerfindlichen Gründen trauen die Firmen Ihrer eigenen Sicherheit nicht – wohlgemerkt: nur beim kündigen. Sollte sich ein Fremder einloggen und mal so kreuz und quer 20 Verträge abschließen – das wäre natürlich opportun.

Will man einen Vertrag kündigen, muss man erst ein Schreiben aufsetzen, welches per Post, also mit vermeidbaren Kosten verbunden, an die entsprechende Verwaltung geschickt werden muss. So jedenfalls managen es diverse Mobilfunkanbieter wie zum Beispiel Vodafone.

Umständlich? Ja, ohne Frage. Aber fast noch Kinderkram gegen das Kündigungsprozedere bei 1&1. Denn dort muss man so ziemlich alle Medien nutzen, muss sich an die Öffnungszeiten des Call Centers halten und braucht gefühlte 2 Wochen um eine simple Kündigung los zu werden. Alles wird so kompliziert gemacht wie möglich – dazu mit Fristen versehen. Versäumt man eine einzige, ist die komplette Kündigung nichtig..

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Glaubt Ihr nicht? Ich beschreibe euch mal die extrem kundenfreundliche Kündigungsprozedur, welche sich die Jungs aus Montabaur haben einfallen lassen, um es Kunden unangemessen zu erschweren einen bestehenden Vertrag zu kündigen:

1.) Anmelden auf der 1&1 Webseite mittels Kundennummer, Benutzername oder Internetdomain.

2.) schon ist man als Kunde im 1&1 Control-Center. Hier Punkt Kündigung wählen..

3.) und schon wird man zu einer neuen Seite weiter geleitet. Hier nun erneut anmelden – diesmal aber zwingend mit seiner Kundennummer (die hat man zwar nie zur Hand, weil man die kaum nutzt – weil man sich meistens mit dem Namen seiner Web-Domain anmeldet (also erst alle alten Emails durchsuchen). Zufälligerweise fand ich Sie auf der vorigen Seite oben in der Ecke. Dass man die dort findet – diesen Hinweis hat leider 1&1 vergessen zu erwähnen

4.) Auf dem Reiter Vertrag den entsprechenden Eintrag suchen und auf Kündigung klicken.

5.) Schon bekommt man einen Authentisierungscode. Der muss aber erst verifiziert werden. Geht ganz leicht – wenn man HARTZ 4 – Bezieher ist und viel Freizeit hat.

6.) denn noch muss zuerst die Hotline während der Öffnungszeiten angerufen werden. Nur zwecks Bestätigung natürlich. Naja, und um ein paar Fragen zu beantworten: warum man kündigt, und ob es etwas gibt, was man seitens 1&1 verbessern könnte, damit man bleibt – und damit man dem Unternehmen ins Leere gehende Cold Calls wegen einer Vertragsänderung erspart.

7.) Also zur Vorsicht den Inhalt der Mail mit dem Authentisierungscode ausdrucken, damit man den in der Mittagspause im Büro durchgeben kann. Gesagt – getan. Dumm, dass man im Telefonsystem seine Kundennummer eintippen soll. An die kommt man aber nur, wenn man eingeloggt ist. Natürlich habe ich das kryptische Kennwort nicht parat und fliege aus der Leitung.

8.) Ich starte einen neuen Versuch auf Verdacht und gebe meine Telefonnummer ein. Am anderen Ende meldet sich ein Mensch – ERFOLG! Doppeltes Glück: er fragt nicht nach der Kundennummer, welche ich nicht parat habe.

9.) Und schon wieder Glück. Der Agent ist sichtlich demotiviert und versucht nicht mich zum bleiben zu bewegen. Deshalb wird nach 2 Minuten der hochnotpeinlichen Befragung das Kündigungsformular freigeschaltet, was ich mir  auf der Webseite herunterladen kann.

10.) also wieder auf der bekannten Webseite anmelden, durch 3 Masken hindurch und das Formular auf meinem Drucker (den hat doch hoffentlich jeder, oder?) ausdrucken.

11.) Nur noch das Formular ausfüllen, unterschreiben und innerhalb von 7 Tagen zurück an 1&1 senden – per Post oder Fax (also natürlich mit unnötigen Kosten für den Kunden verbunden).

12.) Und schon hat man es geschafft!

Ich bin ziemlich sicher, dass dieses Verhalten den Kunden unangemessen benachteiligt. Wäre vielleicht mal was, um einen Flash-Mob zu einem Ortstermin in Montabaur zu bewegen – oder einen guten Anwalt der Verbraucherschützer zu informieren.

Aber nein, wir haben ja am Anfang gelernt, dass die Unternehmen nur das Wohle des Kunden im Sinn haben  – oder etwa doch nicht?

Doctor Love

Peter (aka Doctor Love) hat schon mal das Attribut "bester Allround-Blogger" von einer bekannten Bloggerin verliehen bekommen - Inoffiziell versteht sich. Er ist in Netzwerken aktiv - schreibt aber hier über alle Themen, die grade aktuell sind (und dabei ist ihm kein Eisen zu heiß..)

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4 Kommentare

  1. Ja, ich bin auch gerade mitten in diesem Dilemma. Für eine vorgezogenen Kündigung verlangt 1 und 1 95,- Euro! Selbst wenn sie den Anschluss nicht mehr bieten können, nach einem Umzug.

Geistesblitz da lassen..

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