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AlltagsabenteuerPrivat

von der ganz privaten BIG BANG Theorie, schlechten Halloween-Scherzen und der Quadratur des Kreises

oder: wenn Sonntags Bomben-Wetter ist..

Diese Woche hatte es echt in sich. Nicht nur, dass ich keinen einzigen Tag pünktlich aus dem Büro gekommen bin, sondern jeden Tag 1-2 Stunden später – obwohl wir keine Überstunden machen sollen (was de Facto nicht geht, wenn man zeitgleich 2 Vollzeitpositionen innehat), hatte ich heute zur Krönung der Woche auch noch einen Zettel im Briefkasten, den ich erst als einen schlechten Halloween Scherz abgetan hatte und in den Müll werfen wollte, der aber unglücklicherweise später – als ich noch mal in die Kaufhölle musste – eine Metamorphose von Fiktion zur Realität machte und mir Gewissheit brachte, dass dies leider kein Scherz war, weil die Informationstafeln an den U-Bahn Haltestellen darauf hinwiesen, dass alle Hombrucher Linien am Sonntag wegen einer Bombenräumung nicht fahren werden. Uuups, Sorry . Bandwurmsatz…

Ordnungsamt

Bild links: Was ich erst für einen schlechten Halloween-Scherz hielt wurde bittere Wahrheit – Na, da weiß man doch, was man mit einem verregneten Sonntag anfangen soll.
Erst mal ein bisschen Gruppenkuscheln in der Westfalenhalle – danach ein Schlag Suppe aus der Suppenküche der Bahnhofsmission – zum Abschluss dann gemeinsamer Spaziergang zurück in die Wohnungen – auf Wunsch mit Marschmusik..

Um zu Hause festzustellen, dass in den 8 Stunden die Bude leergeklaut wurde.

Ja Klasse – mehr davon!…

Wenn man vor lauter Langeweile am Sonntag nicht weiß, was man anfangen soll, dann lässt man sich mal Morgens in die Westfalenhalle evakuieren. Dort kann man dann zwar keiner Popgruppe zuschauen (wüsste auch nicht, welche ich mir aktuell antun sollte – GENESIS treten nicht mehr auf und solch geniale Gruppen wie Pink Floyd oder Emerson Lake & Palmer wird’s nie mehr geben), aber  mal ganz unkonventionell statt auf dem bequemen Sofa auf Feldbetten schlafen – wer weiß: ist vielleicht sogar ein gutes Training für die unausweichliche Altersarmut, wenn man als Rentner die Miete nicht mehr zahlen kann und aus seiner Butze fliegt – also immer mitnehmen, was einem geboten wird. Mein Plan mich von einer jungen gutaussehenden Karrierefrau als gutbezahlten Sex-Sklaven halten zu lassen, läuft ja leider noch nicht so ganz rund..

So dachte ich zuerst..

Doch dann sah ich das Bild vom Areal der geplanten Evakuierung

evakuirungsplan

Bild links:

Meine Wohnung ist durch den kleinen roten Kreis markiert – und wie man sieht: grade mal 20 Meter trennen mich von der sicheren Seite. Im roten Feld droht Hungersnot, Krankheit, Armut und Tod (durch das zerfetzt werden von einer Megasuperduper-Bombe)– im hellen Bereich ewiges Leben, Manna und endlich die Traumfrau, die mal die Mutter meiner Kinder wird..

Okay.. ich bin also am nordöstlichen Bereich des Evakuierungsgebietes. De Facto gehe ich aus der Wohnung und 50 Meter weiter in den Solbergweg und schon bin ich sicher. Ist ja so einfach wie für unsere neuen Mitbürger aus der Dortmunder Nordstadt über die Grenze hierhin und nach erfolgreicher Straftat – sorry, meine natürlich Besuch – wieder weg zu kommen, seitdem es das Schengener Abkommen gibt.  Trotzdem stimmt dieser starre Evakuierungskreis nicht mit den realen Bedingungen überein.  Die Kraft einer Detonation nimmt mit zunehmender Entfernung ab. Während also alle im nächsten Umkreis durchaus die Arschkarte gezogen haben, ist das Gras für die an der äußeren Grenze immer noch Grün. Die Doctor Love Labs haben mal kurz gerechnet und eine Grafik mit den tatsächlichen Nahtoderfahrungszonen erstellt:

NahtoderfahrungszonenDie 6 Zahlen repräsentieren die Todeswahrscheinlichkeit – beginnend bei 0. Die ist auf dem Plan nicht zu sehen, weil Sie dem Bombenentschärfer zugedacht ist. Leider konnten wir so einen kleinen Punkt nicht auf der Karte platzieren – aber wenn der Kampfmittelräumer eine falsche Handbewegung macht. “BUMMS!”. Noch näher dran geht nicht! Und toter geht auch nicht. Da die Bombe eine Menge von 1,5 Tonnen TNT enthält, wäre es also lebensverlängernd, wenn kein Witzbold einen übriggebliebenen Silvesterknaller hochjagt, während der Mann am sensiblen Zünder der Bombe rumfummelt

Dann kommen wir zur Zone 1 – das ist schon ganz schön böse. 80-100%ige Ablebungswahrscheinlichkeit. Die gefundene Bombe ist eine Luftmine. Gedacht dazu um durch die riesige Druckwelle Dächer abzudecken oder Häuser schlichtweg umzupusten.

Zone 2 ist etwas gemäßigter. Immer noch gefährlich, weil einem da die Brocken mit hunderten Stundenkilometern um die Ohren fliegen. Wer da keinen Bock drauf hat, sollte besser sein metallenes Nudelsieb überstülpen um sicher zu sein.

In Zone 3 halten sich die Adrenalinjunkies auf, die zwar das Risiko lieben, aber trotzdem beim Bungee Jumping das Gummiseil um die Füße binden..  Pfff – was für Weicheier! Wir sind früher ohne das Gummi gesprungen…

Zone 4 ist für Katastrophen-Touristen und Fernseh-Moderatoren gedacht. Zwar noch irgendwie im Bereich der Gefahr – aber trotzdem so weit weg, dass einem im schlimmsten Fall nach dem “BANG” nur noch ein paar Kieselsteinchen vor die Füße rollen. Ist ja schlecht für die Quote, wenn dem Moderator vor laufende Kamera eine herumfliegende Innerei des gerade durch die Bombe zerbröselten Bombenentschärfers ins Gesicht klatscht.

Zone 5 ist für die Langweiler – also für alle die, die nicht den Sonntag mit gleichgesinnten in der Westfalenhalle “Kumbaya” singen wollen. Will ich da hin? Nöö… Pss. das ganze ist natürlich nicht ganz ernst gemeint. Also, wer da in der Nähe der Bombe wohnt – für den heißt es am Sonntag: FERSENGELD GEBEN!

Alternativ der obligatorische Sonntagsspaziergang im Rombergpark? Tja, leider nicht möglich. Da müsste ich mich heimlich durch die Gebiete von Zone 3 schummeln und würde wahrscheinlich als Plünderer verhaftet. Ein Cafe in der Dortmunder City wäre noch Option B.

der Doc Privat in Schutzkleidung 2

Bild links: auch als Katastrophen-Tourist – oder unbeteiligter Anwohner –  perfekt geschützt vor Bomben-Angriffen
von oben nach unten:
– Splittersicheres Nudelsieb 365+ von IKEA (hält Sandbewurf aus bis zu 10 Metern stand)
– (nicht im Bild zu sehen) Oropax Ohrenstöpsel, falls der „BUMMS mal etwas lauter sein sollte
– Ray Ban Sonnenbrille Wayfarer (schluckt auch den hellsten Lichtblitz weg wie nix)
– leichte und vor allem wenig Bekleidung, die man sich bei Brand schnell vom Leib reißen kann
– Dosenbier (zum löschen der leicht entflammbaren zartflaumiger Brustbehaarung)
– kalorienreiche Nahrung um bei Kräften zu bleiben, damit man sich bei akuter Gefahr mit dem Sessel auf Rollen schnell aus der Gefahrenzone schubsen kann
– feuerfeste Socken aus Nomex (Sandtler Rallye und Rennsportteile)

Ach was! Ich werde volles Risiko gehen (zur Sicherheit eine doppelte Dosis Betablocker nehmen), mich in mein Katastrophen-Outfit zwängen – und bleibe zu Hause..

Datum letzte Änderung: 02.11.2013 10:12 Uhr

Schlagworte

Doctor Love

Peter (aka Doctor Love) hat schon mal das Attribut "bester Allround-Blogger" von einer bekannten Bloggerin verliehen bekommen - Inoffiziell versteht sich. Er ist in Netzwerken aktiv - schreibt aber hier über alle Themen, die grade aktuell sind (und dabei ist ihm kein Eisen zu heiß..)

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3 Geistesblitze

  1. Sonntag. Ein Sonntag. Abends. Ich war den Tag über „für einen guten Zweck“ unterwegs. Ich komme ins Wohnzimmer und mein AB blinkt. Anrufbeantworter sind nun mal nicht nur dafür da, dass sie einem Anrufer antworten, nämlich dass kein Mensch da ist, oder sein will, der sich mit dem Anrufer unterhalten kann, oder will, sondern auch um hinterlassene Nachrichten aufzuzeichnen. Also korrekterweise handelt es sich um einen Anrufbeantworterundnachrichtenaufnehmerundwiedergeber. Somit soll das Teil auch seinen Zweck erfüllen und ich drücke die Wiedergabetaste – und bin irritiert, nein, mehr noch: erschrocken!
    Eine leise, kaum vernehmbare Stimme krächzt aus dem Lautsprecher. „Hallo Sven, ich darf nicht laut sprechen, ich bin nämlich da, wo ich eigentlich nicht sein darf. Ich soll evakuiert werden. Oder mich besser selbst evakuieren, weil ich ja noch laufen kann. Ich will aber nicht. Nicht laufen und mich auch nicht selbst evakuieren. Auch nicht lassen. Falls du nichts mehr von mir hören solltest, dann liegt das an der Bombe ….“
    Wer auch immer dies lesen mag, den frage ich: „Soll man ob solcher Worte keinen Schreck kriegen?“ Ich meine: „JA!“ und wünsche mir, dass meinetwegen durch irgendeine Strahlung aus der Ferne des Alls zukünftig alle Bomben, Patronen, usw. „umgekehrt“ werden, dass sie nicht ex-, sondern nur noch implodieren! Amen.
    😉

    1. also wirklich: wer spricht denn so was furchteinflößendes auf deinen Anrufbeantworterundnachrichtenaufnehmerundwiedergeber?? Pfui! Als dem (oder Der) würde ich aber mal ordentlich die Meinung sagen. Echt! ‚Nen alten Mann so zu erschrecken.. ^^

Geistesblitz da lassen..

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