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wenn Kevin mal nicht allein zu Haus ist (Part 1) – Einbruchsicherheit ist heutzutage Pflicht..

..oder: Sicherheit vor Einbruch ist wichtig und muss kein Vermögen kosten

Eines direkt vorab: Da dieser Beitrag aufgrund der technischen Komplexität länger wird, ist es (als absolutes Novum bei mir) ein “Mehrteiler” geworden – heute also aus diesem Grund: Teil 1 – eine Einführung.

Die meisten von euch werden den Film “Kevin allein zu Haus” kennen, oder? Wer den Film nicht kennt, dem sei der Plot schnell erklärt: Zwei böse aber geistig unterbelichtete Buben wollen zu Weihnachten in einer Wohngegend in der besser betuchte Bürger wohnen einen Raubzug machen. Kevin ist von seiner Familie, die morgens in die Weihnachtsferien verreist sind, versehentlich vergessen worden. Er bekommt die Pläne der beiden Ganoven mit und vereitelt den Raubzug der beiden Einbrecher durch allerlei fiese und für die Diebe schmerzhafte Fallen und die beiden Ganoven gehen letztlich in den Knast.

kevin allein zu Haus logo

Soweit also der kurzweilige Film.

Leider ist das reale Leben keine Komödie – und nachdem gestern wieder die Polizei im Nachbarhaus war, weil in unserer beschaulichen Siedlung erneut (aktuell dann also 8 Einbrüche – hallo Chicago) eine Wohnung aufgebrochen wurde, möchte ich diesen Beitrag aus Dringlichkeit mal vorziehen, denn das Thema Wohnungseinbruch scheint bei einigen Mietern und Wohnungseigentümern nicht wirklich auf der Agenda zu stehen.

Doch ein Wohnungseinbruch ist für den Geschädigten immer ein einschneidendes Erlebnis – kann sogar bei Betroffenen zu einem zu therapierenden traumatischem Problem werden, denn die Wohnung ist von jeher unser ureigenster Platz zum zurückziehen – ein Refugium der absoluten Sicherheit. Nicht umsonst darf selbst der Vermieter nicht einfach dort hinein. Viele Einbruchsopfer ziehen nach einem solchen Vorfall in eine neue Wohnung, da der Aspekt der Privatsphäre nicht mehr gegeben ist – Sie im Verständnis der Opfer besudelt ist – und Sie sich in Ihrer eigenen Wohnung nicht mehr sicher fühlen.

Viele Dortmunder Bürger würden sich händeringend einen Kevin wünschen, denn die aktuellen Zahlen der Wohnungseinbrüche sind gerade in dieser Stadt stark gestiegen. Die Gründe hierfür sind auch bekannt – ich möchte aber hier in diesem eher technisch angehauchtem Artikel nicht politische Themen vermischen – nur soviel: die Zahl der Einbrüche wird weiter ansteigen. Zeit also was zu tun, damit man selber nicht demnächst zu den Opfern gehört und man nach einem harten Arbeitstag über einen Teppich aus zerfledderten Schubladeninhalten und zertrümmertem Mobiliar zum Kühlschrank waten muss um das Feierabendbier zu genießen (sofern es denn noch da ist).

Schauen wir uns also an, was wir tun können, um Einbrechern das Einbrecherleben schwer zu machen. Eines vorab: ES GIBT KEINEN 100%IGEN SCHUTZ! Wir können aber die Zeit, die der Einbrecher benötigt um in die Wohnung zu gelangen verlängern – und jede Minute, die er draußen an einer Wohnungstür mit Geräuschen verursachenden Bruchversuchen verbringen muss, steigert die Gefahr der Entdeckung. Wenn ein Einbrecher also aus einer Vielzahl von Wohnungen aussuchen kann, dann wird er sich die Wohnungen vornehmen, die ihm am risikolosesten vorkommen.

Besonders gefährdet sind Wohnungen im Erdgeschoss. Im Sommer eine auf Kipp gestellte oder einen Spalt geöffnete Balkontür um tagsüber für frische Luft zu sorgen – dass ist natürlich leichtsinnig. Entdeckt man so eine zum Einbruch einladende Wohnung schellt man zur Sicherheit kurzerhand an – macht niemand auf, ist das ein Zeichen dafür, dass der Wohnungsbesitzer nicht zu Hause ist. Der Rest ist kleines Einbrecher 1×1. Balkontüren und Fenster lassen sich zwar absichern – abschließbare Griffe mögen einem das Gefühl von Sicherheit geben – gegen einen gut ausgerüsteten Einbrecher sind Sie aber chancenlos. Die beste Prävention sind hier Rollläden, möglichst verriegelbar. Da sich hier ein Einbrecher durch den Sichtschutz nicht sicher sein kann, ob das Fenster dahinter nicht auch noch zusätzlich gesichert ist, ist dies eine wirksame Abschreckung und die Panzerknacker-Bande wird sich wahrscheinlich ein leichteres Ziel suchen. Rollläden machen aber eben nur Sinn, wenn man Sie auch benutzt.

Leichtsinn und Bequemlichkeit sind darum auch die besten Partner von Einbrechern. Offene Fenster und nur zugezogene Wohnungstüren sind quasi als Hindernis nicht existent. Eine nicht verschlossene Wohnungstür bekommt man tatsächlich mit der berühmten Scheckkarte auf. Eine Hausratversicherung weigert sich in solchen Fällen von sträflichem Leichtsinn auch zu zahlen. Das Einbruchsopfer bleibt dann also auf zum Teil nicht unerheblichen Kosten sitzen.

Eine interessante Aufstellung über die Möglichkeiten habe ich auf der Webseite der Schreinerei Cramer gefunden.  Wenn man sieht, dass eine normale Tür der Sicherheitsklasse WK 2 (die von der deutschen Polizei empfohlen wird) einem Gelegenheitstäter nur 3 Minuten Widerstand leistet, die wird bei einem Gewohnheitstäter wohl schon schneller den Geist aufgeben. Da kann man besser gleich ganz auf die Tür verzichten und stattdessen Perlenschnüre in den Eingang hängen.

TürTüren und Schlösser gibt es schon seit dem Mittelalter – und tatsächlich hat sich beim aussehen und der Funktion des Türschlosses nicht viel grundlegendes geändert.  Doch das Thema “Sicherheit im Schloss” habe ich mir für Teil 2 aufgehoben. Heute wollen wir uns mit der Tür als ganzes und den verschiedenen Schwachstellen derselben befassen.

 

In der Grafik (Sorry für die Qualität – aber ich habe die mal schnell mit Paint gemacht) seht Ihr die Grundbestandteile einer typischen Wohnungstür. Da wären zuerst der Türrahmen oder auch Zarge genannt, der baulich aus Türschwelle, Türfalz, Falzbekleidung, Zierbekleidung, Futter und aus den einbruchsrelevanten Teilen Schliessblech und Türband besteht.

Das Türblatt (was meistens als Tür bezeichnet wird) besteht baulich aus dem Türblatt, und den sicherheitsrelevanten Teilen Türband (auch Türscharnier oder Türangel genannt), Türspion und Türschloss.

Das Türschloss als Bauteil in Ausführung eines Einsteckschlosses besteht aus dem Stulp (dem Befestigungsblech auf der Türinnenseite), dem Schlosskasten (der die ganze Mechanik enthält), der Falle, dem Riegel, der Türklinke und natürlich dem Schließzylinder.

Schauen wir uns die Tür aus Sicht eines Einbrechers an: Gehen wir mal davon aus, dass die Tür korrekt verbaut worden ist. Die Türzarge also mit mehreren dicken Schrauben im Mauerwerk verankert, dazu mit Falz und Zierbekleidung geschützt – dann können wir davon ausgehen, dass sich der Blick auf 4 mögliche Schwachstellen richtet:

  • Türspion
  • Türschwelle
  • Türbänder
  • Türschloss

Nicht zu glauben, aber selbst das kleine Loch des Türspions ist als Angriffspunkt geeignet – allerdings nur in Einzelfällen, nämlich wenn die Tür nicht abgeschlossen ist, und man von Innen nur die Türklinke betätigen muss, um die Tür zu öffnen. Das Vorgehen ist dann folgendermaßen:  der Einbrecher dreht den Türspion aus der Tür und mit einem Metalldraht durch das Spionloch wird die Türklinke betätigt. Dies ist übrigens noch einfacher unter der Tür hindurch möglich, weshalb die Türschwelle auch als ein sicherheitsrelevantes Bauteil zu betrachten ist.

Ist die Tür verschlossen – also nicht nur die Falle des Schlosses im Schließblech der Zarge, sondern auch der Riegel, ist das öffnen der Tür durch betätigen der Klinke nicht möglich. Hier müssen andere Angriffspunkte gewählt werden. Entweder durch zerstörungsfreies öffnen des Schlosses mittels Lockpicking oder durch aufbohren des Schlosses und Schlossziehen. Das Vorgehen des Einbrechers beim Lockpicking ist, durch  spezielle Werkzeuge die Mechanik des Schlosses zum öffnen zu bewegen. Dies setzt eine gewisse handwerkliche Fertigkeit und Kenntnisse des Schlosses voraus. Diese Methode ist effizient – aber glücklicherweise nicht sehr stark verbreitet. Eine andere und brachiale Methode ist das “knacken” des Schlosses.  Hier wird durch brechen des Schlosses der vordere Teil des Zylinders entfernt. Im Anschluss kann der Türriegel ganz einfach durch das entstandene Loch aus dem Schließblech bewegt werden.

Sieht der Einbrecher, dass die Schlossmanipulation oder Zerstörung zu lange dauern würden oder nicht machbar sind, gibt es eine triviale und sehr wirksame Methode, dies zu umgehen. Dies gelingt über den Angriffspunkt der Türbänder.

In den meisten Mietshäusern bestehen die Wohnungstüren aus Gründen von Gewicht und Kaufpreis nicht aus Metall, sondern aus Holz.  Für die Sicherheit ist dies aber von Nachteil. Ein Türblatt hat eine Dicke zwischen 3,5 und 5 cm.  Die Befestigung der Türbänder erfolgt mittels Verschraubung des Scharnierteils in den Blendrahmen der Tür.  Diese Befestigung ist nicht auf starke Krafteinwirkung ausgelegt. Durch aufhebeln mittels eines starken Schraubendrehers, Brechstange oder dem “Kuhfuss”, bzw. Halligan-Tool (das Video dazu gibt’s oben im Header!), kann die Türbefestigung zerstört werden und die Tür aufgeschoben werden. Bei dieser Methode ist selbst der teuerste Schließzylinder nutzlos.

Das soll’s dann für Heute gewesen sein. Mehr gibt’s in Teil 2, wo ich euch ein bisschen über den aktuellen Sicherheitsstand bei Schließzylindern erzähle.

Stay tuned..

Datum letzte Änderung: 24.03.2014 05:37 Uhr

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Doctor Love

Peter (aka Doctor Love) hat schon mal das Attribut "bester Allround-Blogger" von einer bekannten Bloggerin verliehen bekommen - Inoffiziell versteht sich. Er ist in Netzwerken aktiv - schreibt aber hier über alle Themen, die grade aktuell sind (und dabei ist im kein Eisen zu heiß..)

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6 Geistesblitze

  1. Moin Peter,
    ich hatte einen „Geistesblitz“, aber das war mehr ein Blitz im …, na ja, lassen wir das.
    Mein erster Gedanke war nämlich: die sicherste Methode um zu verhindern, dass jemand durch so eine vertürte Wandöffnung in das Wohnungsinnere dringt, wäre …, ich mag es gar nicht sagen, … zumauern.
    Ich weiß, das wäre blöd, aber sicher!
    Schmunzelgrüße ^.^

    1. Hei Svenni,
      in der Tat ist das richtig. Solange es Türen gibt, gibt es eben auch böse Leute, die wissen wollen, was sich dahinter befindet. Eine Tür, die nicht vorhanden ist, weckt folglich auch keine Begehrlichkeiten.
      Wenn wir es schaffen würden die Türen zu reduzieren, würde ja logischerweise auch die Zahl der Einbrüche sinken, nicht wahr.. ^^

    1. Hallo Michael,
      danke für die Info. Ja, ist umfangreich – da kann man eine Menge Infos bekommen. Ich möchte mit dem Beitrag aber auch sensibilisieren und zeigen, dass es keine wirkliche Sicherheit gibt. Wenn ich die billigen Baumarktzusatzschlösser sehe, die manche verbaut haben.Vielleicht ist es aber auch die schlechte Beratung bei den entsprechenden Firmen, die sich mit Sicherheitstechnik befassen. Aber auch das Non plus Ultra Schloss KESO 4000S lässt sich innerhalb kurzer Zeit knacken – gibt’s sogar ein Video zu auf YouTube..

Geistesblitz da lassen..

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