Werbung & andere Lügen

Sonntagsgedanken: von Formal-Dienst, Apellen, Blog-Paraden – und warum das alles beim Networking wirkungslos verpufft..

..oder: warum das Internet eine reine Glaubensfrage ist

Wenn Du eine Unternehmenswebseite – möglichst mit angeschlossenem Webshop – ins Internet gestellt hast, dann brauchst Du auch unbedingt eine Firma, die sich mit SEO auskennt, und dir für teures Geld deine Webseite optimiert, damit Du fortan bei Google bei den Suchergebnissen ganz oben bist und deine Umsatzzahlen gen Himmel schießen.

Das erzählen Dir (und mir) jedenfalls die ganzen “Cold Call Akquisitoren”, die mich früher tierisch genervt haben. Kaum ein Tag im Büro verging, dass nicht einer dieser “von google beauftragten” Suchergebnisoptimierern bei mir angerufen hat und mir seine Dienste aufschwatzen wollte. Wenn ich nachfragte, wie man uns denn gefunden hatte, dann kam als Antwort “über google” – was im Umkehrschluss ein guter Beweis dafür war, dass man eine Suchmaschinenoptimierung nicht wirklich braucht (schließlich hätte man uns ja sonst nicht gefunden, gelle? Diese Internetweltverbesserer sollten lieber die Unternehmen nerven die NICHT bei google zu finden sind).

SEO ist ein seltsames Phänomen – man könnte fast von einem Wunder sprechen. Die Vermarktung der Leistung ist ein noch größeres. Schaut man ins Internet, gibt es tausende von Firmen, Einzelpersonengesellschaften, Freelancern und Startups, die sich mit SEO befassen und den unwissenden Firmen das Versprechen verkaufen ausgerechnet deren stinklangweilige Webseite bei Google auf Platz 1 (oder doch wenigstens unter die Top 5) der Suchergebnisse zu zaubern.


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Für jemanden, der in Mathematik nicht nur aus dem Fenster geguckt hat, und der zumindest den Dreisatz beherrscht, ist klar – so ein Versprechen kann nur funktionieren, wenn ich der einzige Anbieter eines einzigen auf der Welt hergestellten Produktes bin, und der Suchende auch genau diesen Produktnamen in das Google Suchfeld eingibt. Schon bei einem Sammelbegriff wie, sagen wir mal: “Laufschuh”, wird es unmöglich ein lokales Geschäft auf die erste Seite bei Google zu bringen, außer es ist tatsächlich das einzige, was im Internet vertreten ist. Doch seien wir realistisch. In Deutschland gibt es ca. 12.400 Orte. Selbst wenn jedes nur 1 einziges Schuhgeschäft hat (in meinem Dortmunder Stadtteil gibt es allein schon 5), kommen wir auch auf 12.400 Schuhgeschäfte. Es wird nicht jedes im Internet vertreten sein ziehen wir also mal die Hälfte ab, also sagen wir, wir haben nur noch 6.000 Geschäfte über und alle würden einen SEO Optimierer bemühen, wäre die Chance auf Seite 1 zu kommen 1:600 (bei 10 Treffern auf der Suchseite). Da die ersten Suchergebnisse Global Player und Marktführer sowie große Internet-Versender wie Amazon anzeigen, halbiert sich die Chance also nochmals um mindestens 50%. Die Unmöglichkeit geschnallt?

FlaschenpatadeDas ist ungefähr so ein Versprechen, wie wenn die Seelenfänger der Zeugen Jehovas ankommen und Dir erzählen, wenn Du dort beitrittst, kannst Du nicht mehr krank werden. Läuft Dir die Nase irgendwann trotzdem – dann war einfach dein Glauben nicht stark genug.

Naja, die Doofen sterben einfach nicht aus – das sagte meine Oma schon..

Dies zeigt, dass das Internet etwas ist, was man nicht unbedingt mit Logik erklären kann. Es gehört auch ein gewisser Glauben dazu. Nun, mit Gläubigkeit habe ich es nun wirklich nicht. Aber es gibt sehr viele Gläubige im Internet. Die glauben nämlich, Ihr Blog würde an Bekanntheit zunehmen, wenn Sie nichts dafür tun. Damit sind wir auch beim Thema der heutigen “Predigt”..

Schlagen wir mal den Bogen zur Überschrift, denn das heutige Thema geht um die Unfähigkeit vieler Blogger zu netzwerken. Ihr werdet euch vielleicht gewundert haben, warum die Überschrift viele aus dem martialischen Wortgebrauch bekannte Wörter enthält. Das hängt damit zusammen, dass eine Parade ein Begriff mit militärischem Ursprung ist und ein bisschen Drill und Disziplin sind nicht verkehrt, wenn man erfolgreich netzwerken will. Hilft es doch den inneren Schweinehund der Faulheit zu bekämpfen.

Viele Blogger sind in sozialen Netzwerken um dort Leser für ihre Blogs zu finden. Mal ehrlich – wenn Du ein Fahrrad fährst und Du gehst in ein Autohaus – glaubst Du die Kunden dort würden sich für dein Fahrrad interessieren? Nee, kein Einziger. Was heißt das für den Blogger: Blogleser findet man über Blogs. Ende.

Nun gibt es probate und gut wirkende Mittel Stammleser zu finden und zu binden. Die Blog-Parade ist ein hervorragendes Mittel um neue Blogs kennen zu lernen, und Leser (und noch WICHTIGER! KOMENTATOREN!!) zu gewinnen.

Leider sind die letzten Blogparaden, bei denen ich teilgenommen habe so fürchterlich in die Hose gegangen, dass ich erklären sollte, worum es geht. Nicht nur finden sich in kurzer Zeit neue und interessante Blogs zusammen, die von den anderen Paraden-Teilnehmern kritisch beäugt werden, und für neue Netzwerkkontakte sorgen kann. Viel wichtiger noch: Eine Blog-Parade ist für den Ausrichter eine tolle Möglichkeit selber neue Blogs kennen zu lernen, mit denen man thematisch verbunden ist und sich per Kommentar austauschen kann. Das schöne: fremde Blogs haben in der Regel eine Anzahl von Lesern, die den Blog des Parade-Ausrichters noch nicht kennen. Letztlich sehen andere Blog-Leser die Kommentare und besuchen dann den Blog, um dort zu ähnlich gelagerten Themen zu kommentieren. Man partizipiert also von der kommentarwilligen Leserschaft anderer Blogs und steigert dadurch seine eigene Bekanntheit. Ganz einfache Logik oder?


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Sollte man glauben, aber die Realität zeigt das genaue Gegenteil. Bei den letzten Blogparaden habe ich folgende Dinge bemerkt, die klar machen, warum die Blogs unter ständig schwindenden aktiven Benutzern leiden. Das liegt ganz einfach in der Blödheit der Blog-Betreiber begründet.

  • mehrmalige Kommentare die man auf Blogs der Blogparaden-Teilnehmer hinterließ, wurden zwar teilweise auf dem besuchten Blog beantwortet, führten aber nicht zu einem Gegenbesuch – noch weniger zu einem Kommentar auf meinem eigenen Blog
  • die Blog-Parade wurde lieblos durchgeführt und es gab trotz mehrmaliger Erinnerung keine Zusammenfassung
  • Blog-Paraden-Teilnehmer hinterließen einen reinem Selbstbeweihräucherungs-Marketing-Artikel, bezogen sich aber nicht auf das vorgegebene Thema

Also Leute – mal tacheless gesprochen: wer seinen eigenen Blog nicht verlässt um auf anderen Blogs zu kommentieren, der muss sich nicht wundern, wenn auf seinem eigenem Blog die Beiträge ungelesen Staub ansetzen. So toll oder wichtig ist kein Blog, bzw. Blog-Betreiber, dass er sich erlauben kann, wie die Spinne im Netz darauf zu warten, dass schon früher oder später die Besucher merken, wie einzigartig der Blog ist. Wenn man schon Kommentare bekommt, was ja selten genug der Fall ist, dann sollte man Sie was? GENAU – BEANTWORTEN!

Man sollte sich generell dazu zwingen nicht nur Beiträge zu schreiben, sondern auch die Bloggerwelt mit Besuchen und Kommentaren beglücken. Stellt man fest, dass nach einer gewissen Anzahl von Kommentaren, kein Gegenkommentar kommt – dann kann man getrost weiter ziehen. Der kommentarunwillige Blog-Betreiber ist entweder satt und glücklich mit seiner Stamm-Leserschaft – oder einfach nur zu blöd die einfachsten Gesetze des Netzwerkens zu kennen. In beiden Fällen braucht man keine weitere Zeit in Besuche zu investieren. Es gibt genügend andere Blogs, die nur darauf warten besucht zu werden…

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Doctor Love

Peter (aka Doctor Love) hat schon mal das Attribut "bester Allround-Blogger" von einer bekannten Bloggerin verliehen bekommen - Inoffiziell versteht sich. Er ist in Netzwerken aktiv - schreibt aber hier über alle Themen, die grade aktuell sind (und dabei ist im kein Eisen zu heiß..)

2 Geistesblitze

  1. Moin Peter,
    „Man sollte sich generell dazu zwingen nicht nur Beiträge zu schreiben, sondern auch die Bloggerwelt mit Besuchen und Kommentaren beglücken.“
    Ich sag‘ mal …: stimmt.
    Also „beglücke“ ich dich gerade 😉

Geistesblitz da lassen..

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