Hidiho liebe Community! Heute gibt es mal einen kleinen Beitrag zu GRUB – dem Bootloader, der normalerweise mit auf deine Festplatte installiert wird, wenn Du ein Linux Betriebssystem auf deinem PC nutzen möchtest. Denn der hat ein nettes kleines Feature – du kannst deinen PC mit Musik booten.
Windows Bootloader oder GRUB – es gibt da feine Unterschiede..
Im Gegensatz zum Windows Bootlader, der von Windows automatisch auf deinen Rechner kommt, wenn Du mehr als ein Windows Betriebssystem installiert hast ist GRUB fast vollständig anpassbar. Doch dazu gleich mehr – befassen wir uns zuerst mit dem Windows Bootloader von Microsoft..
(Bild rechts: Dank kleinen Tools wie EasyBCD kann man relativ komfortabel den Windows Bootloader konfigurieren: Text der Einträge ändern, hinzufügen, Reihenfolge ändern – selbst auf andere Betriebssysteme verweisen, falls Du noch andere Betriebssysteme hast. Mal ’ne Frage in die Runde: Was ist eigentlich aus dem BE OS geworden?)
Den Windows Bootloader hast Du auf deinem PC höchstwahrscheinlich noch nie gesehen – wie auch, der wird erst aktiv, wenn Du mehr als ein Microsoft Windows Betriebssystem auf dem Rechner installierst. Der Windows Bootlader ist funktional (wenn man das Wort stinklangweilig vermeiden will) hat einen einfarbigen blauen Hintergrund, die Icons sind fest vorgegeben und eine Möglichkeit dort etwas zu verändern ist schlichtweg von Microsoft nie auf der „to Do-Liste“ aufgetaucht. Man kann die Einstellungen begrenzt aus der Windows Konsole mit dem Befehl ‚bcdedit‘ im Pfad „%WINDIR%\System32\bcdedit.exe“ ausführen, aber man benötigt klarerweise Administratorrechte und das fummeln in der DOS-Box ist nervig! Und das meine ich echt so – tut euch das nicht an!
Wesentlich einfacher dank einer grafischen Oberfläche mit „Point n’Klick“ funktioniert die Konfiguration des Bootloaders mit kleinen Tools wie „EasyBCD“, das für Privatpersonen kostenlos ist und völlig ausreichende Funktionalität bietet. Schicker wird der Bootloader aber deshalb nicht.
Klar, kann man jetzt argumentieren: „was soll’s! Das doofe Ding siehst Du nur einmal kurz beim Systemstart und dann nie wieder“, aber es sind eben diese Kleinigkeiten, die andere Betriebssystem einfach auch noch auf dem Schirm haben.
Der GRUB ist da wesentlich durchdachter und seine Konfiguration ist sowohl intelligenter und einfacher, als auch umfangreicher als das öde Windows Pendant.
Der GRUB – ein Bootloader wie er sein sollte!
Um Grub anzupassen mus man nicht Befehlszeilen-Jongleur sein – obwohl das natürlich unter Linux die beliebtere Variante ist, denn alle LINUX-Admins haben einen Konsolen-Fetisch. Ich schwöre – die benutzen zur Steuerung des heimischen TVs nicht die Fernbedienung, sondern haben da irgendwelche Skripte auf ihren Smartphones um den Glotz-O-Maten zu steuern – so verstrahlt sind die, echt! Ganz so verpeilt und Kommandozeilensüchtig sind wir Windows-User glücklicherweise noch nicht..
(Bild links: über die Paketverwaltung lässt sich der grub-customizer nachinstallieren. Mit dem lassen sich Themes für eine schicke Oberfläche nachinstallieren oder auch Boot-Sounds aktivieren. Eine der Vorarbeiten um den PC mit Musik booten zu können.)
Der Grub lässt sich nicht out of the Box per grafischer Benutzeroberfläche konfigurieren – aber unter LINUX gibt es Tools, die sich easy finden und herunterladen lassen um diese Funktion zu implementieren. Unter Linux Mint ist das das Paket „grub-customizer„, welches sich bequem über die Paketverwaltung nachinstallieren lässt.
Die Grundkonfiguration macht GRUB ziemlich zuverlässig von ganz allein. Er erkennt das Linux-Betriebssystem, verweist auch netterweise auf das installierte Windows (da könnte sich der Microsoft Bootloader mal eine Scheibe von abschneiden, denn der ignoriert alles was nicht aus dem Hause Microsoft kommt und überschreibt sogar den GRUB, wenn man ein Windows auf einem Rechner installiert, auf dem ein Linux ist) bietet auch verschiedene Rettungsoptionen an und die Option mittels Kommandozeile Befehle auszuführen. Der GRUB ähnelt in dieser Hinsicht stark „CLOVER“ einem Bootloader, der bei Hackintosh-Systemen häufig zum Einsatz kommt.
(Bild rechts: ein Hackintosh – hier ein altes ZBOOK G3 – ist ein Apple Betriebssystem auf PC-Hardware. Apple sah so etwas gar nicht gern – genauso wie die Jailbreaks bei deren Smartphones und mit den neuen Prozessor-Modellen, die nicht mehr auf INTEL-CPUS basieren, ist das Thema Hackintosh jedoch immer unbedeutender geworden.)
„Hackintosh“ ist ein Kunstwort, bestehend aus „Hacken“ und „Macintosh“, was bedeutet, dass hier unter Umgehung der Hardware-Bindung die normalerweise ausschließlich mit Apple-Hardware funktioniert, das APPLE OS auf wesentlich günstigere PC Hardware installiert wird. Auch dier meist eingesetzte Clover Boot-Loader war komplett anpassbar: Icons im PNG Format, Hintergrundbilder, Schrift.
Jetzt aber: Mukke an – und ab geht die Lucy!
Ihr merkt: Bootloader können was. Eigentlich kann jeder mehr als der pieselige Bootloader von Windows. Und jetzt kommen wir endlich auch zu dem von euch gespannt erwartetem Teil: PC mit Musik booten!
Unter Windows gibt es ja – je nach Einstellungen – eine relativ große Wave-Datei, die beim Start abgespielt wird. Damit dies geschieht muss aber erst das Betriebssystem geladen werden, der Treiber für die Soundkarte ebenfalls und dann muss das Startscript korrekt ablaufen. Wenn dann noch die Energieeinstellungen falsch sind, dann kann der Startsound auch schon mal irgendwo im Nirgendwo versanden.
Der Grub geht komplett anders vor: er pfeift auf die Treiber der Soundkarte, denn er gibt die Soundausgabe an den integrierten PC-Lautsprecher aus (genau, das ist das Ding, das tutet, wenn Du den PC einschaltest!). Er pfeift auch auf eine große Wave-Datei, dennn er gibt die Signale in Tonlänge und Frequenz in folgender Syntax an: GRUB_INIT_TUNE=“tempo [pitch1 duration1] [pitch2 duration2]..
Das Tempo ist die Basis für die Notenlänge der kompletten Sound-Datei. Die Zahl 60 steht für einen einsekündigen Ton, 120 ist eine halbsekündige Tondauer und so weiter. Pitch gibt die Frequenz in Hertz an. Wenn der Pitch auf Null gesetzt ist, entspricht das einer Pause.
Leider gibt es keinen einfachen Konverter um Sound-Dateien umzuwandeln, doch es lassen sich mittels eines Skripts Midi-Dateien in das entsprechende Format umwandeln. Das Script ist allerdings von 2018 und ich halte es für ziemlich fummelig.
(Bild oben: Hier ist der Eintrag in den du den längeren Zahlencode einfügst. Achte darauf, dass GRUB den auch übernimmt, indem du direkt speicherst und den Eintrag auch in den MBR einträgst, sonst hörst Du wahrscheinlich beim nächsten booten nichts und das GRUB_INIT_TUNE Feld ist immer noch leer, bzw. zeigt den Standardwert an. Achte auch darauf, dass der Haken gesetzt ist. Merke: Ohne Haken – keine Mukke..)
Es gibt aber HIER einige fertige Sounds, die sich einfach in den GRUB integrieren lassen. Dazu einfach den Grub Customizer starten, in den erweiteren Einstellungen (unten der Button) den Eintrag den Eintrag GRUB_INIT_TUNE suchen und in das Feld rechts die Musikdefinition einfügen. Abspeichern nicht vergessen und auch nicht vergessen oben auf „in MBR eintragen“ zu klicken und schon beim nächsten Start dein PC mit Musik booten und dir ein kleines Liedchen spielen. Viel Spaß beim ausprobieren..
Der Autor weiß selbstverständlich, dass dieses Wissen nicht existenziell wichtig für das überleben dieses Planeten und den Fortbestand des Homo Sapiens ist. Er hofft mit diesem Beitrag Menschen dazu zu bringen sich wenigstens eine zeitlang nicht über die ganzen Ungereimtheiten auf diesem Planeten aufzuregen. Und sei es nur weil sie damit beschäftigt sind ihren PC wieder ans laufen zu bekommen, alldieweil sie etwas falsch gemacht haben und der PC nicht mehr bootet. Es können ja nicht immer die Politiker an allem Schuld sein. Manchmal ist es auch der bekannteste unbekannte Blogger dieses Universums..
der Autor