ALG I

  • Gedanken zur Wahl RELOADED 2.0

    ..oder: neue Wege das Haushaltsloch zu stopfen

    Dortmund, Berlin – Da ja bald wieder Wahlen sind – wichtige Landtagswahlen noch dazu, denn wer in NRW an der Macht ist, der bestimmt im Bundesrat, wo’s lang geht, weshalb man wohl nun auch von Schwester Guido seit längerem nichts mehr gehört hat, denn NRW wird leider von einer verhälnismäßig großen Zahl erwerbsloser Menschen bewohnt, denen das dumme Gequassel unseres Vizekanzlers gehörig auf den Sack geht – was für das Wahlergebnis katastrohal wäre. Deshalb wird ihm wohl Angela einen Maulkorb verpasst haben. Damit nicht in Vergessenheit gerät, was auf uns zukommt, habe ich einen schon mal bei msn veröffentlichten Beitrag „refurbished“ (Ach, ich liebe diese Wort!), umgeschrieben und packe ihn als Gedächtnisstütze auf meinen WordPress-Blog.  Achja – für Politikneulinge empfehle ich diesen Link

    Wer’s bis jetzt noch nicht wusste, den wird diese Nachricht vielleicht schockieren. Sensible Gemüter sollten eventuell jetzt ihre Beruhigungstabletten nehmen, und eine Sitzgelegenheit aufsuchen, damit ihnen der Schock nicht die Beine einknicken lässt.  Denn, ja, es ist leider so: Deutschland ist Pleite! Dafür gibt es mehrere Hinweise:

    • zum einen schreibt mir mein Finanzamt für eine Steuerschuld von 8,53 Euro eine Mahnung (nach einem Jahr), und droht mit Kontopfändung
    • des weiteren wurde man noch nie so von den Ämtern drangsaliert, wenn es um Leistungsbezug geht
    • Die Spritpreise werden immer höher, damit der dumme Autofahrer die Staatsverschuldung wenigstens teilweise wieder ausgleicht

    Noch wollen die Parteien nicht damit raus, wie Sie das Haushaltsloch stopfen wollen, aber es ist mir gelungen (nachdem ich einigen Spitzen-Politiker mit reichlich Schmiergeld den Mund geöffnet habe), von den großen Volksparteien die streng geheimen Unterlagen einzusehen. Die FPD zum Beispiel hat folgendes vor:

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    (Streng Geheim! Leider kommen nach der Wahl einschneidende Einschränkungen. Hier informiere ich Sie über alles, was Sie wissen müssen)

    Kopie eines geheimen Dossiers aus der FDP Parteizentrale Berlin: „Wir wissen ja, dass die Sozialausgaben einen großen Teil der Steuergelder verschlingen. Arbeitslosengeld, und noch schlimmer die staatsfinanzschädlichen Hartz-IV Bezieher benötigen riesige Mengen Steuergelder, um sich Miete, Essen, und andere überflüssige Annehmlichkeiten leisten zu können. Was für eine Verschwendung, einem alleinstehendem Hartz-IV Bezieher, die Miete für eine viel zu große Wohnung zu bezahlen. Hier greift der Lösungsansatz der FPD. Statt jeden Monat viel zu üppigen Wohnraum zu finanzieren, der kaum genutzt wird, werden die Wohnungen auf die Bedürfnisse des Sozialschmarotzers (im folgenden Bedürftigen genannt) angepasst. Hilfe kommt hier von Seite der Telekom, die etliche Tausend alte Telefonzellen in ihren Lägern hat. Die Schrottreifen Zellen brauchen nun nicht mehr teuer entsorgt werden, sondern werden von der Telekom für eine minimale Miete von 20 Euro Pro Monat zur Verfügung gestellt. Bei  4 Millionen Bedürftigen, macht das im Jahr fast eine Milliarde Gewinn für die Telekom! Dadurch kann auch die Telekom endlich mal wieder schwarze Zahlen schreiben! Also eine Win-Win-Situation für beide Seiten (ausser für den Bedürftigen!). Die Zellen sind ideal als neues Zuhause geeignet. Sie haben Licht, große Fenster (zugegebenermaßen, ist der Wohnraum relativ klein, aber die Terrasse ist dafür gigantisch!), sogar Telefonanschluß. Und in Verbindung mit einem Dixiklo, die perfekte Kombination aus elegantem Wohnraum, und bedarfsoptimierter Nasszelle. Unten ist ein Foto, eines in Ostdeutschland als Modellversuch gestarteten Projektes. Dies ist noch die späte Beta-Version. Die fertige Ausführung hat farblich zur Umgebung passende Gardinen.

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    (So sieht nach den Vorstellungen der FPD, die zukünftige Wohnung eines Hartz-IV Beziehers aus. Leider fehlen noch Gardinen an den Fenstern, aber sonst schon komplett eingerichtet!)

    Wir haben vor am Montag nach der Wahl eine Gesetzesnovelle einzubringen, die den Anspruch auf Wohnraum pro ALG2-Bezieher auf 1 Quadratmeter beschränkt.“

    So weit also der Vorschlag der FPD.

    Aber auch die CDU  hat einen kreativen Vorschlag, der sicherlich die Staatskassen entlastet. Wie üblich, geht diese Partei aber einen anderen Weg, bzw. verfolgt einen anderen Lösungsansatz.

    Hier also die abgefangene E-Mail aus der Parteizentrale der CDU. Gemäß dem Motto “Hilfe zur Selbsthilfe”, hilft die Überlegung der CDU, dem Bedürftigen sein Einkommen durch eigene, sogar frei wählbare Arbeitszeiten, selbst zu bestimmen. Dazu werden in den Arbeitsämtern mehrwöchige Seminare abgehalten. Thema: “Reich durch Einwahlshows”. Dort lernen die Bedürftigen, welche Spiele der Gameshows die größten Gewinn-Wahrscheinlichkeiten haben. Ebenso, wie man die ellenlangen Telefonnummern der verschiedenen Sender auf die Kurzwahltasten des Telefons legt. Dazu gehört auch ein Workshop für effektives Zapping. Natürlich wird auch ein bisschen Allgemeinbildung vermittelt, damit der Bedürftige auf Fragen wie: “Wer ist der erfolgreichste deutsche Formel 1 Fahrer”, bei den beiden zur Wahl stehenden Antworten  A: Michael Schuhmacher, oder B: Daniel Küblböck nicht ins schwimmen gerät. Jeder Sozialhilfeempfänger bekommt dann nach Absolvierung des Lehrgangs, dann keine Unterstützung mehr vom Staat, sondern einmalig ein Callya-Handy, und monatlich eine Prepaid-Karte mit 15,00 Euro Guthaben im Monat. Seinen Lebensunterhalt kann er sich dann Abends in den Gameshows “ertelefonieren”!

    Die CSU hat eine ähnliche Idee, findet Gameshows aber natürlich nicht in Ihr Konzept passend. Sie geben dafür jedem Bedürftigen eine kostenlose Software, die ausrechnet, welche Lottozahlen die höchsten Gewinnchancen versprechen!

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    (nie mehr arm! Mit der Lösung der CSU, besteht der Schmarotzer-Sumpf der Hartz-IV Bezieher, quasi aus angehenden Multimillionären)

    Damit ist quasi jeder Hartz-IV-Bezieher, ein angehender Lotto-Millionär. Endlich mal ein kreativer Weg, aus der Krise. Auch hier wird die Sozialhilfe auf knapp 50 Euro im Monat zusammen gestrichen. Eventuell fehlender Mammon kann leicht durch 4stellige Lottogewinne (steuerfrei) hinzu verdient werden!

    Und was tragen die anderen Parteien zur Lösung des Finanzproblems bei?

    Nachdem wir eine Brieftaube der Grünen abfangen konnten, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs war, um ihren Brief mit den Vorschlägen bei der Kanzlerin abzugeben, haben die scheinbar folgendes vor:.

    Demnach soll das Benzin auf den Preis von 12,00 Euro pro Liter steigen. Gleichzeitig  wird die Pendlerpauschale abgeschafft. So soll über die Mineralölsteuer der Bundeshaushalt finanziert werden. Unten ein Foto von berufstätigen Pendlern, auf dem Weg zur Arbeit ins Ruhrgebiet.

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    (Der Sprit kostet 12,00 Euro der Liter. So ungefähr sieht es dann morgens auf der B1 Richtung Bochum aus. Morgendliche Pendler auf dem Weg zur Arbeit)

    Die SPD hat keinen eigenen Vorschlag, ist aber Feuer und Flamme für jeden Vorschlag eines Koalitionspartners, der bereit ist Sie mit ins Regierungsboot zu nehmen.

    Soweit die streng geheimen Vorschläge der Parteien. Ich hoffe unsere Redaktion, konnte ihnen durch unsere akribische Berichtserstattung helfen, um jetzt bei der sonntäglichen Wahl, die richtige Partei zu wählen!

    Ja, daran wollte ich euch nur erinnern, denn bloss weil Vizekanzler „Schwester Guido“ momentan nicht gegen Hartz IV-Empfänger geifert, heisst das nicht, dass dies so bleibt. Wenn die FDP in NRW genügend Stimmen erhält wird’s düster. Haltet dies beim Gang zur Wahlurne immer im Hinterkopf!

    zuerst veröffentlicht: 26.09.2009

    letzte Änderung: 27.04.2010 22:09 Uhr

  • Ein herrlicher Aprilscherz..

    oder: „Wir haben einen tollen Job für Sie!“

    Dortmund – Ein beliebtes Ritual am 1. April eines Jahres ist leichtgläubige Zeitgenossen „in den April zu schicken“. Dazu wird dann eine tolle Lüge erfunden, die von zumeist denkfaulen Nullschnallern gerne geglaubt wird. Beliebt sind solche Meldungen besonders in den Medien: Fernsehen, Internet und Zeitschriften. Dann gibt es schon mal Meldungen, dass Adobe seine Produkte nun für 99,00 Euro verkaufen würde, was natürlich Quatsch ist, aber bei vielen Angebotsjägern für heftige Schnappatmung gesorgt hat. Oder dass die deutsche Wiedervereinigung ungültig war, weil Helmut Kohl gedopt war. Bei den tagelangen Partys und Saufgelagen soll es zu einigen Alkoholtoten gekommen sein. Oder dass man es schafft mehrere Millionen Arbeitsplätze zu schaffen – ach nein, das verwechsel ich jetzt mit dem letzten Wahlversprechen der SPD..
    Auch ich sollte am 1. April in denselbigen geschickt werden – allerdings nicht durch die Medien, sondern durch meinen Fallmanager bei der Arge. Denn dort hatte ich am 1.4. einen Termin zwecks einem Gespräch mit dem Inhalt: „Bewerberangebot bzw. berufliche Situation“

    Tja, berufliche Situation? Die ist für jemanden mit einem Lebenalter über 50 eher bescheiden (um es mal freundlich auszudrücken). In Jobangeboten finden sich dann ja auch Sätze wie: „werden Sie Mitglied unseres, jungen, dynamischen Teams“. Da würden wir alten Haudegen ja nur im Weg stehen, wenn die jungen Ellbogenschubser sich die Karriereleiter hochboxen.

    Der Alltag sieht eher so aus: Abgeschickte Bewerbungen werden entweder gar nicht beachtet, oder kommen nach ein paar Monaten mit dem berüchtigten „Hau ab“-Brief zurück. Sowas kann schon frustrierend sein, und bei labilen Charaktären für Depressionen und erhöhten Alkoholkonsum sorgen ( da fällt mir ein – wo habe ich eigentlich meinen Caipirinha hingestellt?).

    Aber jetzt endlich wird’s!

    Denn am 1. April hat mein Fallmanager mal die Ärmel hochgekrempelt, und hat mir den lang ersehnten Traum-Job verschafft.

    Denn ich kam auf eine Liste, auf die nur handverlesene, besonders geeignete Arbeitnehmer kommen. Das war schon ein ziemlich erhebendes Gefühl. Sich so als ‚Primus inter Pares‘ der ARGE Dortmund Süd fühlen zu können. Fast wollten mir ein paar Tränen der Rührung über die Wange laufen. Aber nur fast, denn mitten in diesem unglaublichen Glücksgefühl nannte mir mein Fallmanager Herr H. den wahnsinnigen Verdienst, den ich dort zu erwarten hätte: 1425,00 Euro Brutto. Bei einer 40 Stunden Woche und Schichtbetrieb bis 22:00 Uhr und 6-Tage-Woche.

    Meine Freudentränen verwandelten sich Stück für Stück in Tränen höchster Verzweiflung! Das sind genau 8,00 Euro Brutto, wenn man von 176 durchschnittlichen Monatssollstunden ausgeht. Ich musste echt weit zurückgehen in meinem Leben, um auf einen Lohn von knapp 16,00 D-Mark zu kommen, und landete so ungefähr vor 20 Jahren. Da habe ich für das Geld eine einfache Lagertätigkeit , bei der man nur seine Muskeln, und ganz wenig Hirn brauchte, ausgeübt.

    Der kleine aber feine Unterschied: Damals waren die Lebenshaltungskosten nur ein Drittel so hoch, wie Heute. Da konnte man sich von dem Geld tatsächlich auch noch nebenher ein relativ teures Auto leisten. Und Heute? – bei einem Teuro nochwas für den Liter Sprit, wäre bei mir noch nicht mal volltanken drin.

    Okay, vor 20 Jahren brauchte man nur Muskeln und Hauptschulabschluß, um einigermaßen über die Runden zu kommen. Und was soll man Heute für knapp 1000,00 Euro Netto dem Arbeitgeber bieten? Na, die Liste war dafür umso einiges länger als vor 20 Jahren:

    • perfektes Deutsch in Wort und Schrift
    • hervorragende PC-Kenntnisse
    • gute MS-Office Kenntnisse
    • SAP wäre auch nicht schlecht
    • Flexibilität und Belastbarkeit
    • Teamfähigkeit und hohe Einsatzbereitschaft
    • hohe Auffassungsgabe und Prozessverständnis
    • Backoffice Tätigkeiten (Brief- Mail- und Faxbeantwortung)
    • uvm. (ich ende hier mal, die Liste war eine DIN A4 Seite lang, und würde sonst zu lang)

    pleite

    (als Lohnsklave in Deutschland verheizt zu werden – dank fehlendem Mindestlohn und Unterstützung durch die Aufstockerpolitik des Bundes ganz einfach. da ist am 3. des Monats die Börse schon leer)

    Mal ehrlich, habe ich dafür etliche Ausbildungen und Scheine gemacht? Mir vieles selber angeeignet, von dem selbst manche Chefs nicht mal wissen wie es geht? Soll ich mein Wissen so unter Preis verkaufen? Neeee..

    Dazu nur ein befristeter Vertrag, der das beliebte amerikanische „Hire and Fire“ – Prinzip über den großen Teich nach Good Old Germany gebracht hat.

    Da nenn ich mich lieber  ‚Aishe‘, lass mir einen Damenbart stehen, binde ich mir ein Kopftuch um, wickel mir zusätzlich noch 5 Handtücher um die Hüfte, damit ich einen Hintern wie eine türkische Gebärmaschine habe, und geh für 10 Euro Netto die Stunde putzen! Das Wort Steuerkarte kennen die alle nicht, und mit einem nassen Läppchen die Ecken rund wischen, schaff ich noch mit geschlossenen Augen.

    Natürlich muss ich jetzt zu dem Vorstellungstermin und dem Einstellungstest. Gibt ja sonst Repressalien. Aber in meinem Alter hat man ja täglich mit Demenz zu kämpfen. Ich habe so das Gefühl, dass ich mich den Tag so dämlich anstelle, dass ich den Start-Button auf dem Monitor nicht finde. Und dann nehmen sie vielleicht doch einen Jüngeren. Und dann werde ich wieder Tränen  meine Wangen runterlaufen spüren – es könnten aber Tränen der Erleichterung sein….

    letzte Änderung: 04.04.2010 16:19 Uhr

  • Willkommen bei der ARGE..

    ..oder: „Nöö, Jobs gibt’s hier nicht!“

    Am 1.3. hatte ich mal wieder einen Termin bei der ARGE. Und der Tag fing echt schon reichlich bescheiden an. Nicht nur, dass ich um 08:30 Uhr morgens schon da sein musste. Es hatte den Tag und die Nacht davor richtig heftig gestürmt, und das tief Xynthia hatte bei mir alles rausgelassen.

    Sturmtief Xynthia

    Morgens sah es auf den Strassen und Gehwegen aus, als hätte es Äste geregnet! Und natürlich musste es morgens immer noch regnen, so dass ich nicht bester Laune war, als ich die in Top-Lage (direkt am Wetsfalenpark in einem früheren Firmenglaspalast) liegende Arge betrat. Da mein letzter Besuch bei dieser Institution nun schon 2 Monate her war, wollte mein Sachbearbeiter jetzt natürlich auch mal sehen, was ich denn die letzten 2 Monate so bewerbungstechnisch auf die Reihe bekommen habe. Schliesslich muss man ja bei „Eintritt“ in die von der sozialen Gemeinschaft finanzierten Bedürftigkeit nicht nur die finaziellen Hosen runterlassen, sondern auch eine ‚Eingliederungsvereinbarung‘ unterschreiben. Und in der ist ganz klar vor geschrieben, wieviel Bewerbungen man gefälligst in einem bestimmten Zeitraum zu schreiben hat.

    Logo der Agentur für ArbeitUnd da ist es auch ganz wurscht, ob es Jobs gibt. Denn im November und Dezember des Jahres stellen Firmen kaum ein. Nun, mein Fallmanager war aber mit mir zufrieden. Danach kamen dann die üblichen Gespräche: Ich wollte einen Vermittlungsgutschein. Der wird jetzt neuerdings nur noch ausgestellt, wenn Arbeit „Akut“ ist. Das heisst, wenn man von einem Arbeitsvermittler einen konkretenVorschlag bekommen hat.  Seltsam, dass selbst dieser pieselige auf Recycling-Papier gedruckte Gutschein behandelt wird, als wäre er eine kostbare Staatsanleihe. Denn, er kommt eh erst zur Auszahlung wenn man einen Job hat. Naja, nicht ärgern, wundern, dachte ich mir. Nachdem wir auch das Thema Sanktionen angesprochen hatten – denn mir wurde die Regelleistung um 10% gekürzt, weil ich einem Termin nicht nachgekommen war (Hintergrund war, dass ich Mitte Dezember eine Einladung für Mitte Januar bekam – also einen Monat später, ich diesen wichtigen Termin auch in Outllok verbucht hatte, dann aber durch einen Festplattenschaden die .PST Datei futsch war, und damit auch der Termineintrag.  Deshalb hatte ich den Termin schlichweg aus den Augen verloren).

    Tja, das ist für das Amt natürlich keine wichtige Entschuldigung (jedenfalls nach ihren Maßstäben). Auf der anderen Seite: 10% vom Regelsatz – also 35 Euro machen mich nicht wirklich ärmer. Naja, reicher machen Sie einen auch nicht. Und ich wollte doch eh abnehmen. Sparen wir also bei den Mahlzeiten, und tun damit auch gleich was für die Gesundheit.

    Zum Schluß kam dann der obligatorische Jobsuchlauf (auf die man sich ja auch innerhalb von 3 Tagen bewerben muss, sonst… ja genau: Sanktionen!)

    Tja, der liebe Herr suchte und suchte. Er war nach 5 Minuten richtig zerknirscht, als er nicht einen einzigen Job für mich finden konnte. Naja, es gab einen, aber der war in Würzburg. Den druckte mir mein Sachbearbeiter mit den Worten:  „Der hier ist ohne Rechtsfolgen“ aus. Ich liebe die Behördensprache…

    Damit ist also alles wie gehabt in Deutland im Jahre 2010: Jobs gibt’s hier nicht.

  • Endlich Bewegung auf dem Arbeitsmarkt, (wenn man umsonst arbeiten will)…

    ….oder: Job ja, aber nicht für jeden Preis!!

    Ich bin ja immer noch auf Suche nach einem Job. Angebote von Arbeitsvermittlern habe ich zwar mittlerweile 3 Stück zu Hause rumliegen, aber es fehlt eben noch der blöde Vermittlungsgutschein, und dann könnte ich auch vermittelt werden. Das Problem scheint in meinem Datensatz bei der Agentur für Arbeit zu liegen, da hat wohl ein Sachbearbeiter was falsch eingetragen. Mein Kumpel hatte sich den nämlich gezogen, und mal reingeschaut. Dort ist fälschlicherweise der Beginn der AL am 29.4, und nicht am 1.4 eingetragen. Im Bewilligungsbescheid steht das korrekte Datum. Also zum Amt Stress machen, und dann auf den VG pochen!

    Aber was machen Bürger, die keinen Kumpel beim Amt haben, der reinguckt, und Fehler sieht? Bis jetzt habe ich dort nur Holzköpfe rumsitzen sehen. Da ist man als Bürger echt Scheisse dran, will ich mal meinen. Nun, Heute habe ich es nicht geschafft zum Amt, also Morgen früh!

    Wie zum Beweis dass sich auf dem Arbeitsmarkt was tut, schellte heute auf meinem 15 Kilometer Trimm-Trab das Handy. Am anderen Ende eine nette Dame. “Ach Hallo Herr Awiszus, sie hatten sich doch vor ein paar Monaten bei uns beworben, aber damals waren alle Jobs vergeben. Ich habe eine gute Nachricht, wir stellen wieder ein, und kommen deshalb auf Sie zu!” Hey dachte ich, Klasse! “Sind Sie noch interessiert?” kam vom anderen Ende die Frage..”Ja, aber natürlich”, antwortete ich wahrheitsgemäß. “Ja okay, ich habe dann nur noch ein paar Fragen” sagte die nette Dame am anderen Ende. “Sie möchten in Vollzeit arbeiten?” “Ja”, sagte ich. “Gut, bei einer 40 Stunden Woche wäre das dann ein Gehalt von 1.404 Euro und 48 Cent”.. “Sssssss”, schmerzhaft sog ich die Luft durch meinen Mund! Ich fühlte plötzlich die gleichen Schmerzen, wie damals, als man mir den Weisheitszahn ausgrub. “Erhöht sich das nach der Probezeit auf einen annehmbaren Betrag?”, war meine erste Frage? “Nein”, flötete die Dame am anderen Ende “aber sie haben natürlich die Möglichkeit bis zu 150,00 Euro Teamprovision zusätzlich zu verdienen!”

    Klingling-klingling, mein Kopf machte das Geräusch einer Registrierkasse. (war ja nicht umsonst Geschäftsführer und habe eine kaufmännische Ausbildung) Ich rechnete mal kurz im Kopf:

    Das wären mit Provision also auch nur maximal 1550 Euro Brutto (wobei eine Provision ja nie garantiert ist, und bei meinem letzten Arbeitgeber gab’s ja auch jede Menge ‘Kunstgriffe’ um die nicht ausschütten zu müssen). Also rechne ich damit erst mal gar nicht! Mir fällt da nämlich immer der Spruch von meiner Oma ein: “Wer vorher rechnet, muss zweimal rechnen!” Und damit hatte Sie immer Recht!

    Endlich Bewegung auf dem Arbeitsmarkt, (wenn man umsonst arbeiten will)…

    (Bild oben: so würden es Deutschlands Arbeitgeber bei Ihren Lohn-Sklaven gerne sehen! Malochen bis zum umfallen, aber real keinen müden Cent in der Tasche. Ich verweigere mich dem, und nehme keinen Job für Dumpinglohn an. Okay, Ich bin aber auch ein unverbesserliches Arschloch, Sozialschmarotzer und Staatsfeind Nr.1! Es soll auch andere geben, die für jedes Geld arbeiten)

    Was übrig bleibt, sind knapp 1.000,00 Euro Netto. Runtergerechnet auf den Stundenlohn sind das 7,96 Brutto pro Stunde. Selbst eine Putzfrau bekommt Netto mehr, wenn Sie mit einem feuchten Lappen die Ecken rund wischt! Und ich soll dafür meine mehrjährige Ausbildung und Berufspraxis unter Preis verkaufen? Das ist eine Beleidigung! Sorry! Muss man so sagen! Da habe ich vor 20 Jahren schon mehr verdient (und wesentlich niedrigere Lebenshaltungs-kosten gehabt). Vollzeit arbeiten, und dann nur zweite Wahl im Supermarkt kaufen können, um annähernd über die Runden zu kommen, bloß weil einige Vorstände nur ihre Gewinnzahlen im Kopf haben?

    Ochnöö! Nicht mit mir. Ich habe den Job freundlich aber bestimmt abgelehnt!! Die nette Dame am anderen Ende hatte sogar Verständnis dafür – Wahrscheinlich verdient Sie nämlich wesentlich mehr!….

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  • Part 2: Schilda ist überall…

    ..oder: Qualifiziert die Überqualifizierten!!

    Wer nun glaubt, die Agentur für Arbeit tut sich nur schwer damit, Arbeitsuchenden die passenden Jobs zu vermitteln, der irrt. Sie blockieren darüber hinaus auch noch gekonnt die Arbeitsaufnahme durch ihre eigene Bürokratie..

    Wie das geht? Ganz einfach..

    Wie erwähnt, hatte ich vor einiger Zeit einen Termin bei meinem Fallmanager. Beim Termin sprach ich ihn auf einen Vermittlungsgutschein an.

    Wer nicht weiß, was das ist: Ein VG ist ein Gutschein im Werte von 2000 Euro, den private Arbeitsvermittler erhalten, wenn Sie selber einen Arbeitslosen vermitteln. Der Gutschein kann in Kopie bei beliebig vielen Arbeitsvermittlern abgegeben werden. Kommt ein Arbeitsvertag zustande, dann bekommt der Vermittler das Original des Gutscheins und rechnet mit dem Amt ab. Nach 6 Wochen bekommt er die ersten 1000 Euro und nach einem halben Jahr die zweiten 1000 Euro.

    “Joh”, sagte der gute Mann, “aber dazu müssen Sie erst mal 2 Monate arbeitslos sein.” “Na”, sagte ich: “OK! Bekomm ich den Gutschein eben nächsten Monat.”

    Der junge Fallmanager schien mir sehr wohlgesonnen, weil er mich immer wieder fragte, ob ich nicht eine Qualifizierung haben wolle? Nun, eigentlich halte ich mich für Qualifiziert genug, aber da er mich echt a bisserl nervte, und weil ich mir immer sage, naja dümmer wirst du ja nicht, sagte ich dann zu.

    Das Ergebnis war ein Brief vom Arbeitsamt mit einer Einladung zu einer Gruppenveranstaltung bei der CONTEXT GmbH.

    (die CONTEXT GmbH. Vom Arbeitsamt beauftragt im Projekt GANZIL (Ganzheitliche Integrationsleistung), Menschen wieder den Weg in die Arbeitswelt zu ermöglichen. Ach ja, ich habe jetzt auch die Ehre dort gecoacht zu werden…)

    Die Gruppenveranstaltung am ersten Tag, war eine Horrorvorstellung. Von 15 Eingeladenen kamen grade mal 8 Leute.

    Von den 8, die den Weg gefunden hatten, waren 2, die von dem was man ihnen versuchte zu erklären auch nicht ein Wort verstanden, weil sie der deutschen Sprache nicht mächtig waren. Eigentlich waren nur 2 der ganzen Truppe etwas intelligenter, das war eine junge Studentin, die nicht wusste, was Sie da sollte. und ich (der auch nicht wusste was er da sollte). Ziel dieses Coachings, was sich über einen Zeitraum von 4-9 Monate ziehen kann, ist die Integration des Arbeitslosen zurück ins Arbeitsleben.

    Auszug: ”Im Rahmen von “Hilfe zur Selbsthilfe” erhalten Teilnehmer dieses Programms die Gelegenheit ihre Arbeitssuche neu anzulegen. Wir begleiten und beraten, damit auch andere Wege erfolgreich ausprobiert werden können.”

    Im Angebot der CONTEXT folgendes Portfolio:

    • Deutsch lernen für Anfänger und Fortgeschrittene (brauche ich bestimmt, habe ja mit dem lesen und schreiben hier so meine Schwächen. Sieht man ja bei meinen Blogeinträgen)
    • PC- Grundkurs (Jau, unbedingt nötig, da ich zwar die letzten 18 Monate bei Microsoft im Vista Projekt war, und die letzten 10 Jahre in der EDV-Branche, aber noch ein Schein, mit dem man sich den Popo putzen kann, warum nicht)
    • Bewerbungstraining (Oh ja! Unbedingt nötig! Zwar sagen alle Personalchefs, die meine Bewerbung gelesen haben, die wäre Top. aber man kann ja alles verschlimmbessern)

    und last but not least

    • Schuldnerberatung (Jepp. Was soll ich dazu noch sagen?)

    Ahja.. heißt dann wohl zwischen den Zeilen, dass ich zu blöd bin, meine Bewerbungen korrekt zu schreiben?

    Das schien bis zu dem Zeitpunkt eigentlich nicht der Fall zu sein, da meine bis Dato verschickten Bewerbungen bereits positiv beantwortet wurden, und gleich 2 Arbeitsvermittler mich zu einem Bewerbungsgespräch einluden.

    Voraussetzung war hier natürlich der Vermittlungsgutschein. ich hakte also noch mal telefonisch für 3,9 Cent/Minute beim Amt nach.“Jaja”, sagte der Mann am Telefon “bei ihnen sind ja die Voraussetzungen erfüllt, ich sende ihnen den Gutschein zu.” Die Zeit ging ins Land, und doch schon nach 10 Tagen bekam ich einen Brief vom Amt. Im Brief stand im schönsten Behördendeutsch: “Ihrem Antrag kann nicht entsprochen werden, da nach Paragraph Blabla…. sie in den letzten 3 Monaten keine 2 Monate arbeitslos waren”. Ah Ja? Ich rechnete mal kurz nach….arbeitslos seit 31.3., beantragt am 19.6., Absage am 25.6.

    Soso.. ich wunderte mich.. Also rief ich nochmals an. Der Herr der Hotline war sichtlich gereizt. Ich erzählte ihm erst mal worum es ging: Vermittlungsgutschein! Nach durchgabe der Kundennummer, kam von ihm ein: “Ja, haben Sie ja bekommen!”  “Öh Nö!” war meine Antwort, “Ich habe eine Absage bekommen!”.. “Hmm, Moment, ich zieh mir mal den Datensatz!” kam aus der Leitung… etwas später… “Ja, stimmt.. ist abgelehnt worden”… Ich fragte: “Weshalb?”.. Seine Antwort: “steht in der Begründung des Schreibens”.. “Neee”, sagte ich, “das Feld für die detaillierte Begründung ist leer. Er könne mir doch sicher sagen weshalb der Antrag abgelehnt worden ist?”…  “Nein, kann er nicht”, war die Antwort.. (Nun, wenn man schon beim Amt anruft, weil man Fragen hat, sollte man schon erwarten, dass die Leute die dort sitzen, einem eine einfache Frage beantworten können.) “OK”, sagte ich, “dann beantrage ich den VG eben nochmals!”… “Der wird auch abgelehnt!”, kam von der anderen Seite. So langsam wurde ich sauer, obwohl mir meine Oma beigebracht hatte, dass Freundlichkeit kein Geld kostet!! Nachdem ich mir nochmals seinen Namen geben ließ, um mich beim Amtsleiter persönlich für seine Fachkompetenz zu bedanken, wurde der Herr am anderen Ende des Telefons mitteilsamer.

     

    (Don’t call us. We call You! Wer bei der Agentur für Arbeit mal eine Frage hat, sollte besser selber die Antwort kennen, sonst sieht’s mau aus)

    Grund für die Nichtausstellung des Gutscheins ist scheinbar folgender:

    Dadurch, dass ich in einer Weiterbildung, Qualifizierung, o.ä. bin, bin ich nicht mehr Arbeitslos, sondern Arbeitssuchend (wieder dieser feine Unterschied). Dadurch habe ich keinen Anspruch mehr auf einen Vermittlungsgutschein. Der positive Nebeneffekt für das Amt: ein Arbeitsloser weniger in der Statistik im Superwahljahr! Denn arbeitsuchende tauchen nicht in der Arbeitslosenstatistik der Bundesagentur für Arbeit auf.. Ist das nicht Toll?? So werden die Wähler verarscht!!

    Positiver Nebeneffekt für mich? Keiner!! Normalerweise werden Tage der Weiterbildungen zusammenaddiert, und durch 2 geteilt, dadurch erhöht sich der Bezug des Arbeitslosengeldes um diese Zeit.

    Dieses ‘Coaching’, zu dem man nur alle 14 Tage hingehen muss, hat Null Einfluss darauf.

    Mittlerweile war ich das erste mal beim Coaching. Der Herr, der mein Profiling machte, schüttelte nur den Kopf, und fragte mich, was ich bei ihm soll?

    Nach Durchsicht meiner Unterlagen meinte er, ich wäre dort wohl etwas fehl am Platze. Er meinte, ich solle Widerspruch einlegen, und den VG wenn nötig einklagen. Denn er kenne auch die Problematik der Individual-Bewerbungen bei normalen Stellenanzeigen. Vielen Firmen ist es einfach zu teuer, sich durch 500 Mappen zu wühlen, und geben ihre Job-Offerten gleich an die privaten Arbeitsvermittler. Der gibt ihnen dann statt 500 nur 3-5, die aber auf die Stelle passen. Dadurch gewinnt sowohl die Firma, wie auch der Arbeitsvermittler. Dieses Verfahren setzt sich immer mehr durch…

    Ich darf also jetzt mindestens 4 Monate lang, alle 14 Tage dort hin dackeln (was dann 8 volle Tage Coaching macht!.. Huuh, wenn man wollte, könnte man das aber auch locker auf 2 Wochen am Stück straffen. Aber dann wären die Leute ja wieder in der Arbeitslosenstatistik). Schön, wie man hier Steuergelder versenkt, um die Statistiken zu schönen. Wenn man deshalb aber keinen Job bekommt, ist’s nicht witzig!!

    Achja.. Mein Fallmanager bei der Agentur für Arbeit ist meiner Meinung nach ein Idiot!!

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