Essen und TrinkenHardwaretests
ANGESAGT!

Der SIEMENS EQ.9 PLUS connect S700 und die JURA E8 im Vergleichstest..

..oder: der (fast) perfekte Kaffeevollautomat kommt nicht aus der Schweiz..

..oder: der (fast) perfekte Kaffeevollautomat kommt nicht aus der Schweiz..

Wenn man über 60 Jahre alt ist, hat das Leben für einen nicht mehr viel zu bieten. Hey! Ich erwarte jetzt mal ein bisschen Mitleid, bitte.. ja?

Nach einem Abend in der Disco ist man 3 Tage lang krank, junge Hühner sagen “Boomer” zu einem und akzeptieren dich höchstens als “Sugardaddy” (was echt kein Kompliment ist) – und überhaupt ist der Bereich an zwischenmenschlichen Kontakten überschaubar geworden. Das liegt daran, dass einem die meisten anderen Menschen, mit ihren verschwurbelten Meinungen, ganz gehörig auf den Sack gehen und der Bekanntenkreis mit dem Pool der nicht ganz so bekloppten Zeitgenossen sich langsam aber sicher durch altersbedingtes Ableben bedauerlicherweise immer mehr ausdünnt.

Es gibt also nur wenige Highlights im Tagesablauf – eine davon ist für mich ein “lecker Käffken” (wie man bei uns im Pott sagt) zu genießen.

Seit knapp einer Dekade waren für diese Zeremonie Kaffeevollautomaten aus dem Hause JURA zuständig.

Jura mit Milchspender (2)Mein erster Vollautomat – der (oder die?) AVANTGARDE IMPRESSA S9, wurde noch gebraucht gekauft, überzeugte aber in der Bedienung (leider aber nicht in der Reparaturanfälligkeit).

(Bild links: Oldie but Goldie – JURA Avantgarde S9 war ein echtes Arbeitstier. Zugegeben – Sie konnte nur Kaffee, Latte Macchiato und Espresso – das war’s. Doch den machte Sie gut!)

Knapp 8 Jahre leistete die JURA gute Dienste, bis Sie das Gnadenbrot auf meinem Speicher bekam. Das Nachfolgemodell, die JURA E8 – das Volumenmodell aus dem Hause JURA – ist eher der Typ pubertierender Influencer, wie ehrliches Arbeitstier. Ja, sie ist schick und Sie versucht es möglichst vielen Recht zu machen (und der Kaffee schmeckt auch) – aber einige Dinge sind zum Kopfschütteln – oder kann mir einer erklären, wieso es einen kostenpflichtigen USB-Dongle braucht (der nicht viel weiter als 4 Meter im Umkreis reicht), um die Maschine fern zu steuern, man aber mangels einem zeitgesteuertem Einschalter oder der Wake on Lan Funktion (wie sie der SIEMENS EQ.9 Plus connect 700 bietet), man sowieso zu der Maschine traben muss, um Sie einzuschalten. Und wenn man eh schon an der Maschine steht – dann braucht man auch die App und den Dongle nicht mehr. Warum man unter den Ausfluss selbst in der maximalen Höhe kein Latte Macchiato Glas unterstellen kann ist eine der weiteren Ungereimtheiten..

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Dazu stören mich an der E8 ein paar weitere Dinge: Es gab mittlerweile 2 jährliche “Updates”. Die Maschine heißt zwar immer noch E8, hat aber nun mehr Funktionen: Das Design des Wassertanks wurde aufgehübscht, das Display, auf dem die Kaffeespezialitäten vorher über einen Taster gewählt wurden, lässt sich nun per Touch bedienen. Ebenso kann Sie nun einige Spezialitäten mehr brühen.

IMG_1495Die Möglichkeit ein Firmware-Update anzubieten um die fehlenden Kaffeespezialitäten ebenfalls brühen zu können, scheint man bei Jura nicht zu kennen. Mein 2 Jahre altes Gerät ist also schon veraltet. Bei einem Vollautomaten der Tausend € Klasse hätte ich da mehr Service erwartet (witzigerweise hatte ich grade heute bei meiner SIEMENS ein Firmwarupdate über die App – wie zum Beweis, dass SIEMENS es besser kann als JURA).

Das ist dann auch schon der erste große Unterschied zum SIEMENS EQ.9 Plus connect S700. Kaum eingeschaltet fragte er nach einer WLAN-Verbindung und holte sich erst mal das neueste Firmware-Update.

(Bild rechts: die JURA E8 – ein Vollautomat der 1000 € Klasse. Ja, dieser Vollautomat ist gut – aber er hat auch ein paar Macken, über die man sich wundert)

Da die Jura nun nach nicht mal zweieinhalb Jahren Ihren Geist aufgab und den morgendlichen Kaffee statt in die Kaffeetasse lieber in das innere der Maschine ergoss, wurde der Wunsch wach mal einem anderen Hersteller die Chance zu geben, an meinem morgendlichen Kaffee-Ritual teil zu haben.  Da die JURA Vollautomaten ziemlich verbaut sind, sind Reparaturen auch immer etwas kostspieliger, da die Techniker halt länger brauchen um die zu reparieren. Mein Tip: Media-Markt bietet für Vollautomaten einen Festpreis von aktuell knapp 190 € für eine Reparatur an. Das ist für JURA-Verhältnisse supergünstig. Die Maschine kam auch Tip-Top repariert zurück – kann ich nur empfehlen.

Bei der Suche stellte sich schnell heraus, dass “die Neue” nicht billig sein würde, da ich Wert auf einen Automaten mit 2 Bohnenbehältern legte. Dies war dem Umstand geschuldet, dass ich sowohl gerne mal einen milden Cafe Crema  trinke, aber auch mal einen Latte Macchiato, der traditionell mit Espresso-Bohnen zubereitet wird. Und das Wechseln der Bohnen in den verwinkelten Bohnenbehältern der Maschinen erfordert Chirurgenfinger – trotzdem muss man noch 1-2 Brühvorgänge starten bis die gewünschten Bohnen in die Tasse gelangen. Das ist natürlich eine völlig nervige  Fummelei und unnötige Verschwendung von Lebensmitteln.

SIEMENS Vollautomat 1Das Design sollte natürlich auch stimmen – Edelstahl wäre toll, ein großes Farbdisplay sollte der Automat haben, einfach zu bedienen, einfach zu reinigen, integrierter Milchbehälter, Einbindung in das heimische Netzwerk, APP-Steuerung – meine Wunschliste war lang.

(Bild links: die EQ.9 plus connect – sieht schick aus, macht guten Kaffee, ist Kinderleicht zu reinigen, sieht stylisch aus, hat eine intuitive Bedienung, tolles Display, megaleise beim mahlen – einzig die aufgeschäumte Milch.. Houston – da haben wir ein kleines Problem)

Trotzdem wurde ich fündig. Meine Wahl fiel auf den Kaffeevollautomaten der Firma SIEMENS, mit der Bezeichnung “EQ.9 plus connect” (2.699,00 € unverbindliche Preisempfehlung auf der Herstellerseite), zum Preis von ca. 1.700,00 € bei AMAZON. Im Vergleich zur Jura E8, die – je nach Ausstattung zwischen 850,00 € und 1200,00 € kostet, ist das doch ein ordentlicher Mehrpreis. Die Frage ist: Ist die Siemens  den halben Tausender Mehrpreis wert?

Ein paar Tage später kam die Maschine an. Geliefert wurde Sie im Originalkarton, denn der war so groß, dass es kaum einen großen Umkarton gab – darauf wurde aber auf der AMAZON – Seite hingewiesen: “Der Artikel wird so versendet, dass der Inhalt sichtbar ist und nicht verborgen werden kann.”

Das auspacken war einfach, die Maschine in Formschaum sicher geschützt, ein weiterer recht großer Karton enthielt das Zubehör: Kaffeelöffel (mit Doppelfunktion – dazu später), 1 Entkalkungstablette, 1 Reinigungstablette und 1 Britta Wasserfilter und die umfangreiche Bedienungsanleitung..

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Aber wohin damit? Der frühere Platz der JURA – eine Nische auf einem 50 cm breitem Unterschrank – schied aus, weil man zum reinigen an die rechte Seite muss und um den Milchbehälter einzusetzen genau an die entgegen gesetzte Seite. Aufgrund der Abmessungen der Maschine und des damit verbundenen rumgehampels, kam ein drehen der Maschine nicht in Frage. 2 Geräte tauschten also den Platz – die Mikrowelle wanderte auf den Platz der Jura und der EQ.9 plus connect ließ sich auf der von allen Seiten zugänglichen Spülmaschine nieder.

Der Zusammenbau und das Aufstellen des Vollautomaten verlief problemlos – bis ich zum einsetzen des Brita Wasserfilters kam! Also, liebe SIEMENS-Ingenieure – das ist ja wohl nicht euer Ernst: Da baut ihr so einen geilen Kaffeeautomaten und das einsetzen des Wasserfilters ist der Megakrampf. Ehrlich! Das aufstellen und zusammenbauen der Maschine dauerte grade mal 5 Minuten – aber an dem verf… Wasserfilter doktorte ich ‘ne halbe Stunde rum – da ist die Entkalkungslösung von JURA, die ohne brutale Gewalt auskommt tausendmal besser gelöst: Claris Filter-Patrone auf Adapter stecken und einrasten lassen – in die Aussparung im Wasserauslass  des Filter  stecken und eine Vierteldrehung mit der Hand. Fertig. Das dauert bei der JURA grade mal 10 Sekunden.

Jura und SiemensBei der Siemens muss man den Wasserfilter quasi im engen Wasserfilter versenken und dann mit dem Bohnenlöffel (der deshalb extra eine Aussparung am Stiel hat) mehr oder minder mit brachialer Gewalt  auf den Anschluss-Stutzen am Boden des Wasserbehälters quetschen. Das ist sowas von 1965..

(Bild rechts: noch in Frieden vereint – die JURA E8 und der/die SIEMENS EQ.9 S700. Es wird sich zeigen, wer der Sieger ist..)

Ich machte es anscheinend dauernd falsch, bzw. mit nicht genügend “Gewalt” – aber wer will schon in der ersten halben Stunde bereits den teuren, neuen Vollautomaten schrotten? Jedenfalls schwamm mein Filter andauernd wieder an der Oberfläche, bis ich mir ein Herz nahm und das blöde Teil mit roher Gewalt fast durch den Boden des Wasserbehälters presste.

Danach konnte die EQ.9 aber wieder punkten: den rechten Kaffeebehälter mit Kaffeebohnen befüllt, Maschine eingeschaltet, Spülvorgang abgewartet und über das Drehrad auf der Frontseite einen Caffee Crema gewählt – und das erste gebrühte Getränk verließ meinen Automaten. Die ersten beiden landeten allerdings im Ausguss, da ich vermeiden wollte, dass Fabrikationsrückstände im Kaffee waren. Der 3. wanderte aber bereits in meinem Mund. Und was soll ich sagen – Geschmack: Perfekt!

Die Auswahl des Kaffees erfolgt über ein großes Display an der Front mittels eines Rändelrades. Das erinnert stark an den vor etlichen Jahren von JURA eingeführten “Rotary Switch” – wäre er geriffelt wäre es noch etwas besser, da man schnell beim Wassereinfüllen oder ausleeren des Schnodderbeckens feuchte Finger bekommt. Will man dann den Knopf drehen, tut man sich schwer, weil man mit feuchten Fingern eben schnell an glatten Flächen abrutscht. Trotzdem ist die Bedienung über das Display und die Tasten unterhalb des Drehreglers an der SIEMENS m.M.n. etwas besser umgesetzt als bei der JURA, doch das ist sicher Geschmackssache..

Kurze Info: Das Thema Kapseln kommt immer, wenn man von Vollautomaten spricht. Als Argument wird dann der Preisvergleich zwischen den Preiswerten Kapselautomaten und den Vollautomaten genannt. Tatsächlich ist der Anschaffungspreis wesentlich günstiger. Da man bei Kapseln aber meistens an einer Marke festhalten muss, kann man nicht “mal eben” eine andere Sorte testen. Und abgesehen von der Öko-Bilanz (die Kapseln produzieren wahre Müllberge) ist der Kaffee wesentlich teurer. Bei 2-3 Tassen pro Tag fährt man ab dem 3. Jahr mit dem Vollautomaten günstiger..

Beide Displays zeigen die zur Verfügung stehenden Getränke als schicke Grafik dar, wobei die Grafiken bei der SIEMENS wesentlich größer sind. Das liegt auch daran, dass das Display bei der Siemens wesentlich breiter ist, dafür aber nicht so hoch wie bei der JURA. Es gibt dadurch bei der Kaffeewahl einen Nachteil: denn während bei der JURA neben jeder Kaffeespezialität ein Button zur sofortigen Zubereitung ist, muss man bei der SIEMENS erst über das Rändelrad den Kaffee über den Suchlauf anwählen (wer immer das gleiche trinkt, für den ist das ohne Belang- das letzte Getränk wird gespeichert), bei der Vielzahl der verschiedenen Kaffeespezialitäten, kann das schon mal etwas dauern. Umgehen kann man das durch ein Benutzerprofil, von dem man bei der SIEMENS bis zu 10 erstellen kann – damit hätte auch jedes Mitglied der berühmten “Kommune 1” seinen eigenen Kaffee wählen können – wenn es den Automaten damals schon gegeben hätte. Ein weiterer Unterschied zur JURA: Die SIEMENS verfügt über 2 Benutzermodi. Im einfachen Modus kann man zwar Kaffee wählen – aber nichts an den Einstellungen verändern. Der erweiterte – sogenannte „Barista“-Modus – erlaubt dann den Kaffee an die Wünsche des Nutzers anzupassen.

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Bei der Zubereitung und Programmierung des Getränks fallen auch Unterschiede auf: Bei der Jura kann jederzeit während des Brühvorgangs die Wassermenge in 5ml Schritten erhöht oder reduziert werden. Bei der Siemens geht das nicht. Ist die Menge eingestellt, bleibt es so bis zur nächsten Änderung. Auch die Pause zwischen dem Michbezug und dem auffüllen mit Kaffee beim beliebten Latte Macchiato ist bei der Jura variabler. Bis zu 30 Sekunden in Sekunden Intervallen kann man bei der Jura einstellen – genug Zeit für den Milchschaum sich zu setzen. Die Siemens hat nur 3 Wartezeiten: 0, 10, 20 Sekunden – wobei die 20 Sekunden mir für ein wirklich gutes Ergebnis reichen.

A propos Milchschaum: Da ist die E8 ein ganzes Stück besser, denn dem zeugt man im Hause JURA wesentlich mehr Beachtung als im Hause derer von SIEMENS.  Das ist aber schon immer so gewesen, dass JURA spezielle Düsen außen an den Geräten hatte, die man einstellen konnte. Bei SIEMENS scheint man derlei Tand für überflüssig zu halten. Bei der EQ.9 gibt es Milchschaum oder eben keinen – Einstellmöglichkeiten? Firlefanz. Tja, liebe SIEMENS – Ingenieure, ich weiß ja nicht ob Ihr alle Teetrinker seid – aber Milch ist nicht gleich Milch und da gibt es eben Unterschiede beim Ergebnis, wenn man entweder H-Milch oder Frischmilch benutzt, warme oder kalte Milch oder 0,3 – 1,5 – 3,5%ige Milch.

(Bild oben: eines der schmutzigsten Themen bei den Vollautomaten – die Reinigung. Da geht es bei der SIEMENS nicht besser. Alle Teile sind mittels Magneten fixiert – deshalb lässt sich wirklich alles ohne Werkzeug abklappen, auseinander ziehen, und vom Kaffeeschnodder befreien. Ein Lob auch für den abgerundeten Innenraum: keine einzige scharfe Kante oder ein vorstehendes Teil an dem man mit einem Lappen hängenbleiben kann. Außer der Brühgruppe, der seitlichen Abdeckung und dem Chromausguss kann man alles in die Spülmaschine packen)

Ein weiterer Unterschied ist der Ausfluss. Bei der Jura hat man 2 Positionen für das Glas: 1. normaler Cafe Crema kommt aus dem Doppelausfluss in der Mitte der Maschine 2. Latte Macchiato aus dem Milchauslass auf der rechten Seite. Grade im Halbschlaf morgens kann man schon mal die Tasse falsch hinstellen und wenn man wiederkommt um den Kaffee zu holen ist das Gebräu nicht in der Tasse, sondern in der Schnodderpfanne.

Ebenfalls Anlass zur Kritik bei der JURA ist die maximale Höhe des Standard-Ausflusses. Bei der E8 ist selbst die maximale Höhe nicht für die typischen Latte Macchiato Gläser geeignet, sondern man muss Sie leicht kippen um die dort runter stellen zu können – und schlimmer weg zu nehmen. Da suppt schon mal heißer Kaffee über die Finger.

Ein weiterer Punkt für die EQ.9 ist der integrierte Milchbehälter, den man seitlich einschieben kann. Wie übrigens alles an der Siemens funktioniert dies magnetisch – man kann also mechanisch nichts kaputt machen, wenn man mal etwas ungeschickt agiert. Einzig die Brühgruppe muss mit einem Riegel zum reinigen gelöst werden und die Sicherungen der Seitenabdeckung der Brühgruppe muss mit 2 Fingern  entsichert werden.

Und das bringt uns zu einem weiteren – und besonders bei Kaffeevollautomaten – heiklem Punkt: DIE REINIGUNG!

coffeeworld

Da ist die Siemens nun wirklich wesentlich durchdachter als die JURA, denn besonders die Jura ist kaum vernünftig zu reinigen. Aber feuchter warmer Kaffeeprütt und Dunkelheit? Da dauert es keine 2 Tage und in der Maschine wächst der grüne Knollenblätterschimmel – appetitlich ist anders. Die Jura ist quasi ein geschlossenes System. Selbst Kaffeemehl was beim zubereiten schon mal an der Verschlußklappe hängenbleibt und dann nach unten auf den Boden fällt ist kaum aus dem Innenraum zu entfernen. Jedes Mal müssen dafür erst Trester – und Wasserbehälter entfernt werden und dann die Maschine vorsichtig nach vorne gekippt werden. Da Kaffeemehl in der Regel Öl enthält und etwas klebt verrenkt man sich wie Harry Houdini um den (nicht grade leichten) Vollautomaten mit der einen Hand in der Kippe zu halten und mit der anderen Hand mit einem Lappen den Dreck aus der Jura zu fischen. Selbst den blöden Kaffeeausguss bekommt man nicht richtig sauber, weil man nicht vernünftig in die verwinkelten Ecken kommt – er sich aber auch nicht abnehmen lässt.

Bei der SIEMENS geht die Wartung wesentlich schneller: Tresterbehälter entnehmen, Wasserbehälter abnehmen und abstellen, Abdeckplatte der Brühgruppe abnehmen, Verriegelungshebel der Brühgruppe lösen, Brühgruppe entnehmen – schon kann man durch die Machine wischen. Milchbehälter und Tresterbehälter können in die Spülmaschine.  Das dauert grade mal eine Minute..

(Bild rechts: Die SIEMENS coffeeworld bringt dir mal exotische Kaffeespezialitäten näher. Die große weite Welt des ganz besonderen Kaffeegenusses war nie näher!)

Ein Punkt, der ebenfalls Schimmel begünstigt, ist die Form und Größe der Tresterbehälter. Während bei der Jura, der Behälter von der Grundfläche her eher klein ist – dafür aber hoch, ist es bei der SIEMENS genau umgekehrt. Dadurch, dass bei der JURA immer wieder neue feuchte und warme Kaffee-Pads in den Sammelbehälter platzbedingt auf noch nicht getrocknete Pads fallen, bleibt die Feuchtigkeit lange in den Pads. Ideale Brutstätte für Schimmel. Dadurch dass der Behälter ziemlich groß ist, dauert es ein paar Tage, bis die Meldung zur Leerung erscheint – da kann es schon zu spät sein.

Die Siemens hat in ihrem flachen aber langgezogenem Tresterbehälter bessere Trocknungseigenschaften. Dazu kommt wesentlich häufiger die Meldung zum leeren des Behälters.

Ebenso wurde das Thema Home Integration von SIEMENS besser umgesetzt. Während die JURA mit einem Bluetooth Dongle eher rudimentär am häuslichen Netzwerk teilnimmt, ist die SIEMENA EQ.9 da ganz wach: statt langsamen Bluetooth geht’s über das fixe WLAN, dazu unterstützt die EQ.9 eine Bestell-Liste. d.h. man fragt in seiner Freundesrunde, was jeder trinken will, tippert das in die App – und in der Küche muss man nur noch die richtigen Tassen drunterstellen – den Rest macht die Maschine!

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Auch Wake-On-Lan beherrscht die SIEMENS EQ.9. Wem morgens im Bett nach einem Kaffee ist, der kann schon mal über die App die Maschine starten und wenn man endlich die Pantoffeln gefunden hat, die der doofe Köter mal wieder versteckt hat und in die Küche geht, muss man nur noch eine Tasse unter den Ausguss stellen und man hat seinen Muntermacher.

Ein weiteres fettes PLUS ist die “Coffeeworld”. Mittels App kann man sich ungefähr ein Dutzend wirklich exotischer Kaffee-Spezialitäten von der Maschine bereiten lassen: aus Österreich unter anderem die Wiener Melange, den kleinen und den großen Braunen, den Verlängerten und den verlängerten Braunen, aus Columbien den Cortado, aus Spanien den Cafe con leche, aus Frankreich den Cafe au lait, aus Indien den Kaapi,  aus den Niederlanden den Koffie verkeerd, aus Portugal Galao und Garato, aus den USA die Spezialitäten Red Eye, Black Eye und Dead Eye.

Das ist wirklich Kaffeevielfalt! Und grade mit den 2 Bohnenbehältern und den damit unterschiedlichen Kaffeesorten würde die SIEMENS EQ.9 aber mal so richtig Punkte machen – wenn, ja wenn das Thema Milchschaum nicht wäre..

Hier gibt es eine Übersicht der Funktionen:

SIEMENS EQ.9 S700 JURA E8
farbiges Display: JA JA
Touch-Display: NEIN NEIN
One-Touch Bezug: JA- wenn
gleiches Getränk gewählt
JA – wenn auf
gleicher Displayseite
Anzahl Bohnenbehälter: 2 1
Anzahl Mahlwerke: 2 1
intergrierter Milchtank: JA NEIN
Qualität Milchschaum: PASSABEL GUT
Milchschaum einstellbar: NEIN JA – mit Zubehördüse
(je nach Modell inklusive)
Pulverkaffee-Einlass: JA JA
Stufen Kaffeetemperatur: 6 (von 88-96° C)
in 2 Grad Schritten
3
Anzahl Aromastufen: 16 (davon 3x Double Shot
mit 2 Brühvorgängen)
8
Anzahl Kaffeespezialitäten: 9 Gerät +12
ü. Coffeeworld
9
mit App JA JA
Wasserfilter JA JA
Home Connect JA – WiFi mit APP BEDINGT – Bluetooth
mit App
Reinigungszugänglichkeit GUT SCHLECHT

Zusammenfassend würde ich die SIEMENS EQ.9 S700 Connect als die durchdachtere und funktionalere Maschine einschätzen. Das liegt an den folgenden 4 Punkten:

  1. integrierter Milchbehälter
  2. 2 getrennte Bohnenbehälter
  3. optimale Wartungsfreundlichkeit
  4. wesentlich mehr Kaffeespezialitäten

Was meint Ihr? Habt Ihr auch schon Erfahrungen im Bereich Vollautomaten oder benutzt ihr noch Kapselmaschinen? Und wenn Ihr euch einen Vollautomaten anschaffen würdet? Welcher würde es sein?

JURA E8 und SIEMENS EQ.9 S700 im Vergleich

Preis/Leistungsverhältnis - 78%
Aussehen - 72%
Wartungsfreundlichkeit - 89%
Milchschaumqualität - 63%
Home Integration - 86%
Kaffeegeschmack - 86%
Zubehör - 84%
Energieverbrauch - 47%

76%

Ergebnis

Nach meinem Test schlägt die SIEMENS die JURA in einigen Disziplinen - aber nicht in allen! Mit am wichtigsten ist (das allen JURA Vollautomaten eigene Säuberungsproblem). Da zeigt die SIEMENS der Jura, wie man es richtig macht. Zerlegen und säubern ist in 1 Minute erledigt. Auch die wesentlich umfangreichere Auswahl an Kaffeespezialitäten ist ein großer Pluspunkt. Aufgrund der 2 Bohnenbehältern und dem integriertem Milchtank kann fast jeder Kaffeewunsch erfüllt werden. Bedienung und Display der SIEMENS sind übersichtlicher als bei der JURA. Leider gibt es Abstriche bei der Milchschaumerzeugung. Obwohl der Schaum gelingt ist er nicht perfekt. Da man bei SIEMENS das Thema Einstellungen im Bereich Milchschaum komplett außer acht gelassen hat, haben die bei diesem Punkt Federn gelassen. Dies ist umso schwerwiegender, weil die SIEMENS EQ.9 mit Ihrer Coffeeworld und der Vielzahl an Kaffeespezialitäten aus der ganzen Welt hier ein echtes Alleinstellungsmerkmal hätte. Da die Jura auch perfekten Kaffee macht und das Thema Milchschaum dort höhere Priorität hat fällt es mir schwer die SIEMENS als klaren Sieger zu bezeichnen. Dazu ist der Preis mit ca. 1.600,00 € -1.700,00 € Straßenverkaufspreis wesentlich höher - aber gerechtfertigt, wenn es um die Gesamtwertung geht. Vollautomaten mit 2 Bohnenbehältern gibt es bei JURA erst ab der 3.000 € Klasse.

zur Produktseite der EQ.9
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Doctor Love

Peter (aka Doctor Love) hat schon mal das Attribut "bester Allround-Blogger" von einer bekannten Bloggerin verliehen bekommen - Inoffiziell versteht sich. Er ist in Netzwerken aktiv - schreibt aber hier über alle Themen, die grade aktuell sind (und dabei ist ihm kein Eisen zu heiß..)

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